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WIEN/ Staatsoper: LA TRAVIATA

13.09.2015 | Oper

WIEN/ Staatsoper:  „LA TRAVIATA“ am 12.9.2015


Carlos Alvarez, Irina Lungu. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

 Es kann kein Zufall sein, dass diese Traviata-Serie mit dem Holländer alterniert. Hatte doch die Inszenierung des Jean-François Sivadier gehofft, mit dem Ende des Festivals von Aix erlöst zu werden und wurde dann durch die Übernahme in das Repertoire der Staatsoper dazu verflucht, in regelmäßigen Abständen wieder auf der Bühne zu landen und auf die Erlösung durch Publikumszuspruch zu hoffen. Doch furchtbar eitler Wahn, sie bleibt ein Bremsklotz für eine lebendige Aufführung, der nur durch eine exzellente musikalische Gestaltung möglicherweise überwunden werden könnte.

Als Violetta steht Irina Lungu zum zweiten Mal auf der Bühne der Staatsoper. Mit ihrem dunkel timbrierten Sopran, der in allen Lagen gleichmäßig anspricht, sauberen Koloraturen und wunderbar ruhig gestalteten Piani kann sie überzeugen. An den dramatischen Stellen wird auch ein sehr gut kontrolliertes Vibrato eingesetzt. Leider steht bei der Familie Germont musikalisch nicht alles zum Besten. Carlos Alvarez als Vater singt das ganze Duett mit Vorsicht und lässt sein Edeltimbre nur in einer Einheitslautstärke erklingen. Doch in der Arie hilft alle Vorsicht nichts und er kann sich nur mit einem gewagten Notausstieg aus der Kadenz retten. Hoffentlich sind das wirklich nur Symptome eines temporären Problems und nicht der Anfang vom Ende einer wunderbaren Kavaliersbaritonstimme. Sein Sohn, Pavol Breslik hat zwar einen durchtrainierten Körper, trotzdem gelingt es ihm nur selten, die Stimme ruhig zu führen und so ist das Parigi, o cara eine mehr als zittrige Sache. Auch die Arie riss das Publikum nicht gerade zu frenetischem Beifall hin. In den Ensembles versuchte er oft, seine Partner durch abweichende Tempi und Rhythmen zu irritieren, aber zum Glück gibt es ja Generalpausen, wo man wieder zusammenfinden kann.

Die übrigen Partien sind in der Traviata ja vom Komponisten nicht mit vielen eindrücklichen Szenen bedacht und so kann Zoryana Kushpler als Flora zeigen, dass sie nach wie vor eine sexy Figur hat und viel Bein zeigen, Aura Twarowska eine betuliche Annina gestalten. Jason Bridges als Gaston bleibt blass, während Clemens Unterreiner als Baron jede Chance für szenische Profilierung nutzt. Den ruhenden Pol als gütiger Grenville bildet der Samtbass von Dan Paul Dumitrescu.

Michael Schønwandt dürfte meiner Einschätzung einer der schnellsten Traviata-Dirigenten sein. Dabei bevorzugt er einen trockenen Orchesterklang. Jedenfalls könnte das Orchester vor allem die Vorspiele beseelter spielen, wenn man es von ihm forderte. Der von Thomas Lang einstudierte Chor machte aus seiner Aufgabe das Bestmögliche.

Ungewohnt in der jetzigen Direktion ist, dass in die Regie eingegriffen wird. In der Premiere hatte am Schluss zuerst Annina (aus unerfindlichen Gründen) zusammenzubrechen, ehe zum letzten Akkord auch Violetta starb. Frau Twarowska erlebte das Ende aber aufrecht stehend.

Wolfgang Habermann

 

 

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