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WIEN/ Staatsoper: LA FILLE DU REGIMENT

28.04.2013 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper:  „La fille du regiment“am 28.4.2013

Es ist ein Glücksfall für das Publikum, wenn eine derart unterhaltsamer Abend geboten wird. Donizettis leider selten gespieltes Meisterwerk hat wieder in den Spielplan der Staatsoper gefunden, und wieder konnte man sich bei dieser Inszenierung (Laurent Pelly) köstlich amüsieren. Der Einwand, dass hier Krieg und Soldaten verherrlicht werden, stimmt so nicht, denn im Grunde wird das Militär ja ordentlich durch den Kakao gezogen.

Das Bühnenbild ist einfach und doch sehr passend, die Personenführung gut. Das Orchester spielt unter dem temperamentvollen Guillermo Garcia Calvo sehr gut, die Ouvertüre war vielleicht etwas zu sehr heruntergehudelt. Gesanglich steht und fällt diese Oper mit der Titelheldin. Aleksandra Kurzak sang die Marie mit großem Einsatz, ihre Komödiantik bestach ebenso wie ihre sicheren Höhen. Die lyrische Stimme beeindruckte allerdings bei den romantischen Arien nicht ganz so wie bei den „militärischen“, da waren kurz auch Unsicherheiten zu hören. Sehr gut der einzige Protagonist der Premiere, Carlos Alvarez als Sulpice. Hier konnte er seiner komödiantischen Ader freien Lauf lassen, auch stimmlich wirkte er sehr präsent. Die Rolle des tollpatschigen Sergeanten gibt für einen Sänger seiner Klasse allerdings wenig her.

Der Tonio ist eine der gefürchtetsten Tenorrollen, da braucht es einen hellen C-Tenor. Der war mit John Tessier auch aufgeboten worden. Der junge Sänger wirkte anfangs etwas nervös, das leichte Flattern in der Stimme verflüchtigte sich aber bald und er sang die 9 Cs mit Bravour. Aura Twarowska sang die Marquise recht gut, auch Kiri Te Kanawa (Herzogin von Krakendorp) ließ noch ein wenig ihre große Vergangenheit spüren. Markus Pelz komplettierte als Hortensius ein sehr gutes Ensemble. Am Ende stellte sich die sonst übliche Verklärung der Vergangenheit nur ein wenig ein, die Erinnerung an die alte Volksopernproduktion (Argeo Quadri, Patricia Wise, Oskar Cerwenka, Adolf Dallapozza, Irmgard Seefried und Ljuba Welitsch) ist natürlich immer noch wach, aber die gegenwärtige Produktion kann sich durchaus sehen und hören lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Marksteiner

 

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