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WIEN/ Staatsoper: LA FANCIULLA DEL WEST – Neuübernahme des Lokals „Polka“

28.11.2016 | Oper

27.11.2016 – „LA FANCIULLA DEL WEST“. Neuübernahme des Lokals „Polka“ an der  Wiener Staatsoper

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Eva Maria Westbroek. Copyright: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

Zwei Jahre war das Lokal in der kalifornischen Goldgräberstadt geschlossen ehe es nun unter neuer Leitung wiedereröffnet wurde. Die neue Wirtin ist nun Eva-Maria Westbroek, die bislang nur einige Macht-Leonoren in Wien gesungen hat. Sie hat das große Problem, dass der Dirigent Mikko Franck voll auf übertriebene Lautstärke setzt. Schon die ersten acht Takte des kurzen Vorspiels zeigen, dass für ihn Fortissimo jenseits der Schmerzgrenze angesiedelt ist. Die Bonuspunkte, die er sich durch die kurzfristige Übernahme des Lohengrin vor zwei Jahren erworben hat, müssten doch schon verbraucht sein. Er treibt mit der übertriebenen Lautstärke viele der Sänger ins Forcieren. Die Stimme von Frau Westbroek klingt sehr rau und dunkel und ich hoffe, dass sie in dieser männerdominierten Umgebung mit dem Revolver besser zielt als bei den hohen Tönen. Am C im ersten Akt hat sie jedenfalls grandios daneben getroffen.

Auch für den Jack Rance von Tomas Konieczny ist die Grundlautstärke zu hoch und so wird vieles gebrüllt, statt gesungen. Der entfernte Verwandte des Baron Scarpia ist zwar keine Partie für einen Kavaliersbariton, aber etwas mehr Gesangskultur würde nicht schaden.

Neben diesen beiden Sängern hatte José Cura leichtes Spiel. Er ließ sich nicht ins Forcieren treiben und phrasierte schön, wenn auch nicht jedes Piano so gelang, wie es ihm wohl selbst vorschwebte. Wenn der Dirigent der Meinung war, dass das Orchester ihn übertönen sollte, so ließ er es geschehen, ohne sich mit übergroßer Kraft dagegen zu stemmen. Aus den übrigen fünfzehn Partien, die meist nur kurze Möglichkeiten zur gesanglichen Profilierung haben, ragt Boaz Daniel als Sonora heraus, für der genauso wenig auf Forcieren setzte wie Cura. Der neue Nick, Joseph Dennis, ist ordentlich, auch wenn das nicht sein Fach sein dürfte. Sehr schön die Ballade des Jake Wallace von Orhan Yildiz, die aus dem Kofferradio des Kiosk ertönt. Auch Marcus Pelz als heimwehkranker Larkens kann seinen kurzen Auftritt berührend gestalten. Alexandru Moisiuc war der Agent von Wells Fargo, die damals die bedeutendste Transportagentur war. Clemens Unterreiner, Bror Magnus Tødenes, Mihail Dogotari, Igor Onishchenko, Peter Jelosits, Benedikt Kobel sorgten für einen ordentlichen Umsatz beim Whisky und erwarteten sehnsüchtig die Post, die ihnen Wolfram Igor Derntl brachte. Das Indianerpaar war mit Ayk Matrossian und Miriam Albano besetzt.

Der Applaus erreichte in keiner Weise die Lautstärke des Orchesters.

Wolfgang Habermann

 

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