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WIEN/ Staatsoper: LA FANCIULLA DEL WEST

01.12.2016 | Oper

WIEN / Staatsoper: LA FANCIULLA DEL WEST am 30.11.2016

Foto: Wiener Staatsoper: LA FANCIULLA DEL WEST am 27.11.2016. Mit Jose Cura, Eva Maria Westbroek. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Josè Cura, Eva Maria Westbroek. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Zweite verbesserte Auflage: Von extremer, störender Lautstärke war in dieser zweiten Aufführung nichts mehr zu hören. Mikko Franck und das Staatsopernorchester haben eine sängerfreundliche Interpretation gefunden, die den Puccini-Sound in bester Filmmusik-Manier zur Geltung kommen lässt. Es gibt nicht nur Radau, sondern auch zärtliche Klänge im Goldgräberlager. Die realistische Inszenierung von Marco Arturo Marelli erweist sich als repertoiretauglich und erlaubt den leidenschaftlichen Darstellern der Hauptfiguren eine berührende Rollengestaltung.

Minnie, die Kneipenwirtin behauptet sich als einzige Frau im Camp gegen die raubeinigen Goldgräber. Daran besteht auch in dieser Serie dank der starken Bühnenpersönlichkeit von Eva-Maria Westbroek kein Zweifel. Ihr klangschöner Sopran deckt alle Lagen und Stimmungen souverän ab – eine starke Frau, mitten im Leben.

Dass sie bei diesem Dick Johnson hinschmilzt, ist leicht nachzuvollziehen. Jose Cura ist derzeit in Hochform und legt seine ganze Leidenschaft in diese Liebesgeschichte. Die Sicherheit und die Schönheit seiner wunderbar timbrierten Stimme ist beeindruckend.

Sein Gegenspieler – der Sheriff Jack Rance – wurde von Tomasz Konieczny polternd und grob (rollenkonform!) dargestellt – er macht Minnie die Wahl leicht und  sorgt dafür, dass der Wertewandel wie selbstverständlich angenommen wird. Wir sympathisieren nicht mit dem Gesetzeshüter sondern mit dem Banditen! Eine hervorragende Rollengestaltung, bei der sich sein gaumiges Timbre sogar als vorteilhaft erweist.

Die Nebenrollen waren durchwegs mit guten Singschauspielern besetzt, was in dieser durchkomponierten Oper ohne Rennomierarien besonders angenehm ist. Joseph Dennis war als temperamentvoller Kellner Nick, Alexandru Moisiuc als dominanter Agent der Transportfirma und Gabriel Bermudez als Einspringer für Boaz Daniel in der Rolle des Sonora aufgeboten. Auch die anderen Goldgräber wirkten engagiert und rollengerecht: Bror Magnus Todenes als Trin, Mihail Dogotari als Sid, Igor Onishchenko als Bello, Benedikt Kobel als Joe, Clemens Unterreiner als Happy und Markus Pelz als Larkens. Wolfram Igor Derntl als Postillion, Peter Jelosits als Harry, Ayk Martirossian als Billy Jackrabbit, Miriam Albano als Wowkle und Orhan Yldiz als Jack Wallace und Jose Castro waren der Rest der Comprimari.

Diese Wildwest-Räubersgeschichte löst trotz Puccini beim Wiener Publikum keine Begeisterungsstürme aus. Der Stehplatz (Galerie) war halb leer und auch die Sitzplätze waren vielleicht ausverkauft aber nicht ausbesucht. An der Qualität der Darbietungen ist es jedenfalls nicht gelegen – diese Serie ist mit der Premierenbesetzung mindestens gleichwertig!

Nebenbemerkung:

Erstmals sahen wir das neue Kunstwerk am „Eisernen Vorhang“ und stellten erfreut fest: „Es tut gar nicht weh!“ Vielleicht ist bei uns die Akzeptanz vorhanden, weil er an unsere Wohnzimmertapeten in den 1970er Jahren erinnert.

Maria und Johann Jahnas

 

 

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