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WIEN/ Staatsoper: LA CENERENTOLA

02.02.2013 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: „LA CENERENTOLA“ – Brautschau in der Garage. 1.2.2013

 
Valentina Nafornita, Vito Priante, Alessandro Corbelli, Margerita Gritskova, Dmitry Korchak. Foto: Barbara Zeininger

Die Neuproduktion reißt kaum jemand zur Begeisterung hin. Es gibt zu viele Defizite. Die Verlegung in die 1950-er Jahre ist mehr dürftig als schön. Das erste Bild weckt Assoziationen an das frühere Haus unseres Direktors, das Théatre-des-Champs-Elysées in Paris. Das zweite Bild soll wohl so etwas wie die Oldtimer-Sammlung des Fürsten von Monaco sein, natürlich nur in kleinem Maßstab. Die Regie machte Sven-Eric Bechtolf entsprach der optischen Vorgabe. Die Bühne entwarf Rolf Glittenberg und die Kostüme Marianne Glittenberg. Ist es absichtlich passiert: Die Sängerin der Titelrolle ist nicht so ganz schlank, gerade sie wurde so angezogen, dass sie erst recht pummelig wirkt. Und die ihre komischen „Hauben“ sind noch der Punkt auf dem i. Bei den Verwandlungen fragt man sich, wo die moderne Technik des Hauses geblieben sei. Der letzte Umbau vor der Schlussarie ist besonders stimmungstötend.

Als Dirigent wurde Jesús López-Cobos engagiert. Er ist aber alles andere als ein begnadeter Rossini-Dirigent. Zeitweilig hatte man den Eindruck, er zerhacke die Musik förmlich. Die berühmten Crescendi des Komponisten dümpeln so vor sich hin. Man verspürt nichts von deren elektrischen Spannung und Wirkung. Es gibt übrigens längst eine kritische Neuausgabe der Partitur, in der Staatsoper verwendet man offensichtlich eine alte Kapellmeister-Fassung.

Tara Erraught sang die Titelrolle. Sie ist und spielt lieb, aber es erstaunt, dass sie bereits in so jungen Jahren bereits ein derart starkes Dauer-Vibrato hat. Sie sang wohl zu früh zu schwere Rollen. Dazu war sie noch durch die Kostümierung, eine Knödel-Frisur und noch dazu einer unschönen Brille, welche sie ständig zu tragen hat, geschädigt. Man fragt sich, was in einigen Jahren mit ihrer Stimme sein wird. Sie wird wohl in wenigen Jahren verheizt sein.

Rossini-Tenöre haben es schwer, denn man misst sie an der Ausnahmeerscheinung Flórez, was aber ungerecht ist. Dmitry Korchak besitzt als Don Ramiro, der Märchenprinz, eine hübsche, helle Stimme. Er sieht ganz gut aus, auch er ist Brillen-geschädigt, wirkt aber durchaus sympathisch. Er kann Koloraturen singen und hat die Höhen. Die Arie „Si ritrovarla“ gelang ihm zwar nicht sensationell, aber recht gut.

Der böse Stiefvater Don Magnifico wird von Alessandro Corbelli bösartig gespielt, stimmlich ist er merklich seinen Zenit überschritten, was aber in dieser Rolle kaum stört. Die beiden schrillen, bösen und überheblichen Töchter Clorinda und Tisbe sind bei Valentina Nafornità und Margerita Gritskova bestens aufgehoben. Manche Kritiker hielten die beiden sogar besser als die Sängerin der Titelrollen!

Der Kammerdiener, der den Fürsten spielen darf ist Vito Priante. Er spielt die Rolle köstlich. Stimmlich sagt er zu und ist recht gut, nur an manchen Höhepunkten geht seine Stimme zu wenig auf. Für den weisen Alidoro, so etwas wie eine gute Fee, der Alles zum guten Endeführt, ist Ildebrando d’Arcangelo eine Luxusbesetzung.

Bekannte, die der Rezensent in der Pause traf, waren alle, mehr oder weniger mit der Aufführung unzufrieden und fällten teilweise recht harte Urteile. Erstaunlich, dass bei Rossini gar nicht so wenige Besucher das Haus frühzeitig verließen. Das ist kein gutes Zeichen. Es ist klar man kann nicht immer Flórez und die, von der Staatsoper beharrlich gemiedene, DiDonato erwarten. Für die Staatsoper war es an diesem Abend eindeutig zu wenig. Der Kritiker ist seit mehr als 20 Jahren Pesaro-verwöhnt, aber in Wien sollte man doch mehr erwarten können, als dieser Abend bot. Ob sich diese Produktion lange halten wird, wird sich erweisen.

Martin Robert BOTZ

 

 

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