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WIEN/ Staatsoper: LA CENERENTOLA

30.12.2015 | Oper

Wien / Staatsoper: La Cenerentola am 29.12.2015


Maria Nazarova, Ilseyar Khayrullova. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Rossini-Klänge vom Feinsten bescherte uns ein Staatsopernorchester in Neujahrskonzert-Laune – spritzig, temperamentvoll und detailliert ausgearbeitet erfreute uns der junge Kapellmeister Michael Güttler, unterstützt vom reifen Konzertmeister Rainer Küchl.

Die Ouvertüre zündete ein Feuerwerk der guten Laune  – allein schon für seine genialen Ouvertüren gebührt Gioachino Rossini die „Unsterblichkeit“.

Leider war diese überschwängliche Stimmung nur von kurzer Dauer und wurde bald von Frustration und Ärger vertrieben. Verursacher des Ärgernisses war die wohl schlechteste Regiearbeit, die Sven-Eric Bechtolf bisher abgeliefert hat. Rolf und Marianne Glittenberg sollten bei dieser Unternehmung nicht Mitarbeiter, sondern Komplizen genannt werden.

Die Handlung wurde in einem fiktiven mediterranen Fürstentum in den 1950er Jahren angesiedelt – der Palazzo des Don Magnifico gelang als taugliche Mehrzweckhalle noch einigermaßen schlüssig, das fürstliche Schloss von Don Ramiro wurde als Autohaus mit Bürotrakt im Obergeschoß dargestellt. In dieser Umgebung wurde die Märchenhandlung im Stil von Jerry Lewis und Louis de Funes verblödelt und es folgte Peinlichkeit auf Peinlichkeit. Die Polonaise der fürstlichen Festgesellschaft, mit den als Damen verkleideten Herren und Cenerentola, die im Brautkleid den Fußboden scheuert ist echt bescheuert. Die im Libretto vorhandenen Fragwürdigkeiten wurden vom Regisseur nicht milde überspielt, sondern lustvoll vorgeführt. So wird zB das überdrehte Gutmenschentum der Angelina exzessiv, bis über die Schmerzgrenze zelebriert. Diese Interpretation des Märchens „Aschenbrödel“ hinterließ die – jahreszeitbedingt – zahlreichen Kinder nicht freudig erregt, sondern eher verstört. Einige Eltern verließen die Vorstellung frühzeitig, was aber sicher nichts mit mangelnder Konzentrationsfähigkeit der kleinen Menschen zu tun hatte.

Die Akteure brachten in diesem Umfeld durchwegs gute, aber keine herausragenden Leistungen:

Alessandro Corbelli hatte seine fiebrige Erkältung noch nicht ausgeheilt, ließ sich wie beim letzten Mal ansagen, sang und spielte den Don Magnifico, einen bösartigen, jähzornigen Vater  temperamentvoll und mit totalem Einsatz von Körper und Stimme – er war damit keineswegs ein Schwachpunkt des Abends.

Seine leiblichen Töchter Clorinda und Tisbe wurden von den jungen Ensemblemitgliedern Maria Nazarova und Ilseyar Khayrullova treffend dargestellt. Beide zeigten mädchenhaftes Temperament und die Bosheit von verwöhnten Teenagern – gepaart mit jugendlich frischem gesanglichen Ausdruck, guter Technik und ausreichend großen Stimmen.

Rachel Frenkel bekam die anspruchsvolle Titelpartie mit Fortdauer des Abends immer besser in den Griff; nach anfänglichen Schwächen im Parlando und bei den Koloraturen steigerte sie sich zu einer sehr guten Leistung in der Schlussarie. Hier perlten die hohen Töne mit Leichtigkeit und die bruchlosen Registerwechsel bis in den satten Mezzobereich gelangen vorzüglich.

Antonino Siragusa zeigte in der grenzwertigen Partie des Don Ramiro eindrucksvoll, dass er ein elitärer „Tenore di grazia“ ist. Seine Stimme blüht in der Höhe richtig auf und er erreicht die höchsten Höhen makellos und ohne Mühe. In der Mittellage und im Parlando haben wir ihn (in anderen Rollen) schon lockerer erlebt.

Dandini, sein Diener und temporärer Vertreter wurde von Alessio Arduini ambitioniert dargestellt und passabel gesungen. Für eine sehr gute Darbietung fehlte es sowohl an Spitzzüngigkeit als auch an der nötigen Größe der Stimme.

Diese beiden Attribute waren bei Michele Pertusi in ausreichendem Umfang vorhanden. Er gestaltete den Philosophen, Bettler und Lehrer des Fürsten souverän in Ausdruck und Gesang – Alidoro erbrachte in dieser Vorstellung die überzeugendste sängerische Leistung. Sein mächtiger Bass hatte auch die nötige Beweglichkeit um die hals- und zungenbrecherischen Vorgaben Rossini’s ohne Probleme zu meistern. Eine echte Bühnenpersönlichkeit, die auch als Bettler nicht nur auftritt, sondern erscheint!

Der sonst so makellose Staatsopernchor hatte diesmal Schwierigkeiten, mit den temperamentvollen Rossini-Klängen aus dem Graben Schritt zu halten. Mehrere deutlich hörbare Asynchronitäten störten die Freude an den schönen Chorszenen.

Auch bei dieser letzten Vorstellung der Serie zeigte sich ein Teil des Publikums uninformiert und undiszipliniert. In Scharen wurde in den Umbaupausen der Zuschauerraum verlassen und beim Zurückkommen gepoltert und getratscht.

Wird Zeit, dass nach den Feiertagen wieder der Opernalltag einkehrt.

Das wünschen wir uns allen, und Ihnen, liebe Leser, wünschen wir zusätzlich ein erfolgreiches Neues Jahr!

Maria und Johann Jahnas

 

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