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WIEN/ Staatsoper: LA BOHÈME – Repertoire auf höchstem Niveau

27.04.2013 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER:  LA BOHEME – Repertoire auf höchstem Niveau- 26.4. 2013

 Es ist derzeit ein ungetrübtes Vergnügen, das Staatsopernorchester beim lustvollen Schwelgen in berauschenden Puccini-Klängen zu erleben. Fein ausgearbeitete Details begeistern ebenso wie mächtige Klangwogen, der unvergleichliche Streicherklang erblüht unter der Führung von Konzertmeister Rainer Küchl, Tempo, Dynamik und feinfühlige Sängerbegleitung beweisen – wie auch schon vor Kurzem bei „Eugen Onegin“, dass der junge Kapellmeister Andris Nelsons völlig zu Recht so hoch geschätzt wird.

 Die 401. Aufführung dieser wunderschön anzusehenden, realistischen Zeffirelli – Inszenierung funktioniert wie die erste – das ist wohl, gemeinsam mit der Tosca, der Inbegriff für „Repertoiretauglichkeit“. Es wird sowohl das inzwischen vielgelästerte „Rampensingen“ als auch ambitionierte schauspielerische Darstellung ermöglicht und gefördert. Interessant wäre zu wissen, wie viele Esel in der 50-jährigen Geschichte dieser Inszenierung schon aufgetreten sind – der gestrige Grauschimmel war jedenfalls ein Bühnenprofi, der seinen Auftritt mit Ruhe und Gelassenheit gestaltete.

 Zurück zu den ernsthaften, diesmal so erfreulichen Leistungen:

Kristine Opolais überzeugte als Mimi ebenso, wie vor zwei Wochen im Konzerthaus als Amelia in „Simon Boccanegra“. Seit ihrem Rollendebut in der Wiener Staatsoper im Dezember 2008 hat sich ihre Stimme toll entwickelt – die Mimi liegt ihr derzeit perfekt in der Kehle; die lyrischen Puccini – Bögen gelingen sicher mit schönem Vibrato, die dramatischen Stellen kommen unangestrengt und nie scharf, die zarten Piani sind im ganzen Haus klar zu hören und zeugen von einer großen Stimme. Besonders beeindruckend – weil von uns noch nie so deutlich wahrgenommen – war die „Assistenz“ beim Musetta – Walzer: Ein perfektes Verschmelzen der beiden Soprane – wunderschön! Anita Hartig – die Mimi der vergangenen Serie – gestaltete die flatterhafte Zicke ideal. Sowohl die extrovertierten Auftritte im zweiten und dritten Akt als auch die fürsorgliche Zuwendung zur todkranken Freundin gelingen sowohl schauspielerisch als auch stimmlich sehr gut. Unser Eindruck: Aus einer guten Mimi wurde eine sehr gute Musetta.

 Die künstlerische Wohngemeinschaft hatte aber diesmal auch einiges zu bieten.

Piotr Beczala ist derzeit wahrscheinlich DER Rodolfo. Seine exzellente Technik, seine Höhensicherheit und seine Pianokultur erlaubten ihm auch heute – an einem der nicht ganz „guten Tage“ – einen zwar nicht außergewöhnlichen, aber sehr guten Rodolfo zu singen. An einigen dramatischen Stellen und bei manch zarter Passage merkte man, dass nicht alles so leicht und selbstverständlich gelingt wie zuletzt in Salzburg oder auch hier im Haus – im Fußball würde man sagen: ein Arbeitssieg!

 Marco Carias mächtiger Bariton hatte keinerlei Probleme mit dem Marcello und konnte sich den verschiedensten Fassetten dieser anspruchsvollen Rolle widmen. Leider ist auch diesmal das Duett mit Rodolfo – wahrscheinlich wegen der zu großen räumlichen Distanz – nicht optimal gelungen. Wir hörten zwei Soli aber kein Duett!

Adam Plachetka war als Schaunard stimmlich und darstellerisch eine Idealbesetzung, Janusz Monarcha (Colline) spielte den Philosophie-Studenten im 43.Semester temperamentvoll und sang eine ansprechende Mantelarie. Unser jüngster Kammersänger – Wolfgang Bankl – zeigte eindrucksvoll, dass uns auch bei einer Verhinderung von Alfred Sramek nicht bange sein muss, und dass es den Partien von Benoit und Alcindoro nicht schadet, wenn sie von einem jungen Bassbariton am Zenith seiner stimmlichen Entwicklung gesungen werden – Kompliment!

 Maria und Johann Jahnas

 

 

 

 

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