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WIEN/ Staatsoper: LA BOHÈME

08.11.2015 | Oper

WIENER STAATSOPER: „LA BOHÈME“ am 7.11.2015

 Wenn auch das große zweite Bild im Stockwerk etwas leer wirkte, dennoch ist diese Bühnenoptik Franco Zeffirellis immer wieder eine Freude für das Besucherauge.

Marco Armiliato sorgte auch ohne Partitur für eine feine musikalische Umsetzung, ging sehr auf alle Sänger ein und konnte auch so manche Passagen zurecht rücken.

Erstmals in Wien konnte man Piero Pretti als Rodolfo erleben. So einen Sänger wünscht man sich sicher öfter. Ein Rodolfo mit herrlich geführten Spintotenor, der mit viel Animo und schöner Phrasierung singt. Die Arie geriet prächtig, der dritte Akt zeigte viel Schmelz a la Puccini. Ein wenig mehr Piano wäre noch schöner. Seine angebetete Mimi war Marita Sølberg. Ein Hausdebüt ist mit dieser Rolle ist sicher keine Kleinigkeit für eine junge Künstlerin. Eine nette lyrische Stimme, technisch noch nicht ganz ausgewogen und mit etwas Drall zum Distonieren. Sie begann kühl und sehr kontrolliert, und blieb eigentlich dabei. Vielleicht verschwindet in den Folgevorstellungen das Gesangsstundenhafte und die Figur der kleinen Näherin beginnt zu leben. Aus einem anderen Holz ist da Aida Garifullina als Musetta. Da jagt ein temperamentvoller Wirbelwind über die Bühne, stimmlich ausgezeichnet vom ersten Ton weg bis zum sehr innig vorgetragenen kurzen Gebet.      

Ein Problem ist Gabriel Bermundez als Marcello. Die Stimme wirkt zur Zeit so überhaupt nicht in Ordnung, alles klingt leider sehr verquollen und forciert, schade, er ist doch noch so jung. Sehr erfreulich hingegen der erste Schaunard von Manuel Walser. Sein Lehrer ist Thomas Quasthof und das wirkt sich sicher auf den Stil seines Vortrags aus. Jongmin Park als Colline schließt zu sehr guten Vorgängern dieser Rolle nahtlos auf. Man merkte wieder eine sehr genaue Probenarbeit und so waren alle Mansardenbewohner in voller Spiellaune.      

Sehr gut Marcus Pelz in den „Sramek-Rollen“ Benoit und Alcindor. Hörbar gut besetzt aus dem Chor Parpignol/Martin Müller, Sergeant/Jaroslav Pehal und Zollwächter Johannes Gisser. Auffallend schön sang Won Cheol Song den Obstverkäufer.

Der Chor unter Thomas Lang war wieder sehr gut musikalisch unterwegs und auch voll Spielfreude im Cafe.  

Das Publikum dankte kurz, aber herzlich.

Warum gibt es die Durchsage, die zum Ausschalten der Handys auffordert, nicht mehr auf japanisch ?

Elena Habermann

 

 

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