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WIEN/ Staatsoper: I VESPRI SICILIANI – mit Licht und Schatten

10.09.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper: VERDI’S „ I VESPRI SIZILIANI“-WIEDERAUFNAHME MIT LICHT UND SCHATTEN

Das Verdi-Jahr wirft seine Schatten voraus. Immerhin holt sich die Wiener Staatsoper eines der musikalisch besonders starken Werke aus der mittleren Epoche von Giuseppe Verdi ins Repertoire zurück. Und bietet damit neben viel Licht auch dunkle Schatten einer Repertoire-Vorstellung. Die sizilianische Vesper – sie wurde 1855 in Paris in einer französischen Version mit einem problematischen Libretto aus der Werkstatt Eugene Scribe uraufgeführt – kam in der aktuellen Form 1998 heraus. Herbert Wernicke provozierte damals durch eine Riesentreppe, die zeitweise von der 4.Galerie bis unter den Souffleurkasten reicht. Stimmungen erzeugt er durch Licht, Kostüme und wenige Requisiten (etwa ein Ruderboot). Und nach nur 37 Aufführungen hat sich die Wirkung dieser Produktion eher verstärkt. Dennoch leidet man gerade bei dieser Wiederaufnahme unter den Niveau-Schwankungen, die zeitweise extrem ausfallen.

Das gilt unter anderem für den Dirigenten des Abends, der Italiener Gianandrea Noseda ist musikalischer Direktor im Teatro Regio di Torino und international stark im Kommen. Er schwankt zwischen fast impressionistischer Beiläufigkeit und extatischer Hitze – aber das gilt ja auch für das Sängerensemble. Star des Abends ist einmal mehr Ferruccio Furlanetto , der den Procida schon bei der Premiere vor 14 Jahren sang und mit dem „O mein Palermo“ den Hauptschlager der Vespri vortragen darf. Einen insgesamt positiven Eindruck hinterließ Gabriele Viviani als Montforte – endlich wieder ein Verdi-Bariton von der Qualität eines Renato Bruson oder Carlos Alvarez. Der Sänger, der aus Lucca stammt, wird in dieser Saison noch den René Ankarström an der Staatsoper singen. Es sollten rasch mehr Auftritte werden. Zumindest akustisch überzeugte auch die neue Elena – Angela Meade. Die US-Sängerin, die mit dem Tucker und Sills-Preis startete, singt seit vier Jahren an der Met – unter anderem Ernani und Anna Bolena. Die Stimme hat einen runden, vollen Klang, im Finale beeindruckt sie mit strahlenden Höhen; für die „Siziliana“ fehlt ihr (noch?) das Raffinement. Leider entspricht sie optisch dem Vorurteil über allzu üppige Opern-Sängerinnen. Und wenn sie im Finale in einem weißen Brautkleid ihre allzu barocken Formen über diese Riesentreppe müht, verdirbt sie sich viel von den Sympathien, die ihr Singen zuvor erzeugten.

Schwachpunkt des Abends ist leider der männliche Gegenspieler von Elena. Der deutsche Tenor Burkhard Fritz bietet zwar bis zur Pause eine einigermaßen akzeptable Leistung – dann in der großen Arie bricht er ein, die Nerven setzen aus, die Stimme beginnt zu brechen, man leidet als Zuhörer einfach mit! Und aus einer attraktiven Wiederaufnahme ist ein ganz normale Repertoire-Vorstellung mit Licht und Schatten geworden. Bleibt noch zu erwähnen, dass sowohl das Staatsopern-Orchester in Spiellaune war und der Staatsopern-Chor besonders motiviert klang (Leitung Thomas Lang) – die Damen und Herren bewältigten nicht nur die Partitur souverän sondern erspielten sich auch die Mammut-Wernicke-Treppe mit Verve. Ein Sonder-Applaus für Chor und Orchester! Ein pauschales Lob auch für die Komprimarii: Alexandru Moisiuc als Bethune, Hans Peter Kammerer als Vaudemont, Marian Talaba als Tebaldo und Tae-Joong Yang als Roberto. Es dominierten zuletzt leider doch die Schatten! Und der Abschlussapplaus war nett aber kurz wie selten! Aber das Verdi-Jahr beginnt ja erst 2013!

Peter Dusek

 

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