Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: I PURITANI

01.03.2015 | Allgemein, Oper

WIEN/ Staatsoper: 28.2.2015:  „ I  PURITANI“


Olga Peretyatko. Foto: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

Nach längerer Zeit besuchte ich wieder einmal eine Vorstellung von Vincenzo Bellinis Werk in der Staatsoper und freute mich schon auf die wunderschöne Musik und eine durchwegs neue Sängerbesetzung.  Gespielt wird nach wie vor in  der Inszenierung John Dews von 1994, das ziemlich leere, aber nicht störende  Bühnenbild  ist von Heinz Balthes und die Kostüme sind von José Manuel Vazquez, der anscheinend eine große Vorliebe fürs Japanische hatte, denn die männlichen Puritaner sehen beinahe wie Samurais aus.                                        

Die  weibliche Hauptrolle des Stückes, Elvira, war diesmal der Russin Olga Peretyatko anvertraut. Dank ihrer schönen und jugendlichen Erscheinung, konnte sie das junge Mädchen natürlich und glaubhaft darstellen. Mit ihrem leichten und beweglichen Sopran feuerte sie ein wahres Feuerwerk an Koloraturen ab, zeigte mitreißende Virtuosität und Stimmakrobatik. Der Ausdruck und das Drama blieben allerdings etwa an der Oberfläche und in den Ensembles kam sie fast an ihre Stimmgrenzen.  John Tessier war ihr unglücklicher Geliebter Lord Arturo Talbot, einer der raren Vertreter dieses Tenorfaches. Er hat einen sehr hellen und tragenden Tenor, kam mit den schwierigen Arien und Höhen (die er teilweise mit einer Art von vollstimmigem, stupend klingendem Falsett sang) sehr gut zurecht und gab auch als Liebhaber eine überzeugende Figur ab.             

Die Riege der tiefen Stimmen wurde angeführt von Carlos Álvarez, den wir  in Wien jetzt nicht mehr so oft hören, in der Rolle des Rivalen Sir Riccardo Forth. Mit seinem gewohnt vollen und saftigen Bariton bot er eine ausgezeichnete Interpretation des Bellini-Bösewichtes und feierte hier auch sein Staatsopernjubiläum. Jongmin Park sang mit seinem prächtigen dunkelschwarzen Baß den Sir Giorgio. Er hat schon große Fortschritte gemacht und sich diese Rolle gut angeeignet, allerdings erschien mir seine Stimme nicht italienisch und schmiegsam genug für Bellini. Die kleinere Baßrolle von Elviras Vater Lord Valton wurde von Sorin Coliban routiniert ausgeführt. Ferner wirkten noch Carlos Osuna als Sir Bruno Roberton und Ilseyar Khayrullova  als Enriquetta di Francia am Gelingen des Abends mit.                                  

Marco Armiliato leitete den Abend mit Schwung und gewohntem Einfühlungsvermögen für die Protagonisten. Während sie Bellinis ans Herz gehende Endlosmelodien sangen ließ er ihre Stimmen vom Orchester regelrecht umschmeicheln. Das Publikum zeigte sich begeistert über die Aufführung und beendete den Abend mit lautem Jubel für die Künstler.      

 Silvia Herdlicka

 

Diese Seite drucken