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WIEN/ Staatsoper: „I PURITANI“ – Eine musikalische Delikatesse

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Jongmin Park, Venera Gimdieva, Dmitry Korchak. Copyright: Wiener Staatsoper/Ashley Taylor

WIEN/ Staatsoper:  „I PURITANI“ am 7.1.2018 – „Eine musikalische Delikatesse“

 Schon die ersten paar Takte verkündeten eine Abend voller Transparenz und musikalischer Feinheiten. Evelino Pidò zelebrierte Bellinis feinste Kantilenen mit Liebe und viel Freude an dieser wunderbaren Musik, die fein musiziert, einen Diamanten nach dem anderen hervorzaubert. Die Arbeit mit dem Orchester, das ihm gerne folgt, läuft hervorragend und somit die Zusammenarbeit mit der Bühne perfekt. Ein wunderbar eingespieltes Team konnte man erleben. Es ist bewundernswert, wie es diesem Maestro gelang, das Orchester von der Schönheit der Belcantoopern zu überzeugen, welch ein Wandel im orchestralen Klang. Kein freudloses „runterfideln“ mehr!

Dass diese fundamentalistische Partei ihre Opfer forderte ist bekannt und in dieser, oder einer dieser grausamen Zeit(en) spielt die Oper, chronologisch ist nicht alles ganz korrekt, aber man kann sich absolut ein Bild machen und zum Schluss kommen: Hat sich etwas verändert?!

Eine reine Freude ist Venera Gimadieva als Elvira. Die Stimme ist ein wunderschöner lyrischer Koloratursopran mit guter Mittellage, nie piepsig und auch nie scharf in den höchsten Tönen. Die junge russische Künstlerin ist am Beginn einer hoffentlich steilen internationalen Karriere, und man kann sich hoffentlich auf viele weitere Abende an der Wiener Staatsoper freuen. Arturo Talbot, von der anderen – also falschen – Partei fand mit Dmitry Korchak einen hervorragenden Vertreter. Eine schon etwas fortgeschrittene Tenore di grazia Stimme mit etwas Metall in der Mittellage und dennoch enorm leicht genommenen Höhen, die die Tücke dieser Rolle sind. Es wurde alles mit bester sprachlicher Diktion gesungen und mit natürlich klingender Italianità! Sein bösartiger Gegenspieler Riccardo Forth aus der  „richtigen“ Partei um die Liebe von Elvira war Adam Plachetka. Sehr gut gearbeitet mit dem Maestro, dennoch wurde es immer wieder zu „Verdis Jago“. Plachetka ist zwar sehr um den Bellini-Schmelz bemüht, aber sein großes und gutes Material ist nun einmal nicht für den feinen Belcantostil geschaffen.

Immer schöner, größer und besser wird der Samtbass von Jongmin Park. Er ist Sir Giorgio, immer friedfertig und um Annäherung bemüht, trotz anderer politischen Meinung, stimmlich sehr an Cesare Siepi erinnernd. Die Arie mit dem „Ohrwurmthema“ sang er einfach zum „Weinen“ schön, großartig und stimmführend in den Ensembles, und das große Duett mit Riccardo war ein Höhepunkt des Abends. Ilseyar Khayrullova verlieh der armen Enrichetta di Francia, nicht nur Königswitwe, auch noch Katholikin, Würde, schönes Aussehen und eine schön timbierte breite Mezzostimme.

Was eine gute Maske für den Gesamteindruck für eine Rolle ausmacht bewies der Maskenbildner (vor den Vorhang) bei Ryan Speedo Green als Gualtiero Valton. Die gute Maske (Perücke und gute Schminke) wirkten nahezu auch musikalische Wunder. Als Bruno Roberton hörte man den jungen Chilenen Leonardo Navarro mit angenehmen Tenor. Darstellerisch sind alle Beteiligten glaubhaft, allzu viel müssen oder dürfen sie ja gar nicht einbringen, dazu ist das Grundkonzept von John Dew bereits schon auf nahezu wirkungsvolle Statik konzipiert.

Martin Schebesta konnte wieder mit einem sehr guten Chor punkten. Die Unisexkostüme des Chores sind leider nicht für alle weiblichen Mitglieder vorteilhaft.

Die Vorstellung wurde nicht allzu lange, aber mit ehrlicher Begeisterung ohne Hysterie bejubelt

Elena Habermann