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WIEN / Staatsoper Giuseppe Verdi RIGOLETTO Saisonschluss

02.07.2015 | KRITIKEN, Oper
Saimir Pirgu,der zynische Frauenversteher

Saimir Pirgu,der zynische Frauenversteher

Wiener Staatsoper
Giuseppe Verdi :   “RIGOLETTO”
30.Juni 2015
10. Aufführung in dieser Inszenierung

 

 Saisonschluss

in der Wiener Staatsoper, ein Anfangs ziemlich volles Haus, das Schöwetter hat eine Unmenge Touristen ins Haus gespült, nicht störend, das muß gesagt sein, das übliche erwartungsvolle Gesummse und die hyperaktivierten Betätigungen mit den heutigen Spielzeugen für Erwachsene, den Handys und Tablets und elektronischen Bildgeräten.

Keiner der fröhlichen Besucher kann ahnen, welche Schwierigkeiten und Widrigkeiten diese Inszenierung bereits mitgemacht hat! Da wäre der vom Pech verfolgte Premierenrigoletto, der ja auch in dieser Serie angesetzt war. Wie sehr der Sänger in dieser Inszenierung fehlt, merkt man erst an einem solchen Abend wie diesem, wenn ein Einspringer mit hilfloser Gestik und nur wenig ausdrucksvollem Bariton gerade noch als Retter aus der Not zu akzeptieren ist. Giovanni Meoni heißt dieser Substitut, der das in der Premiere durch Einspringen ein etwas bekannter gewordenes Ensemblemitglied, Paolo Rumetz, ersetzen mußte. Und der war ja schon selbst Ersatz für einen russischen Bariton, den eine schwere Erkrankung kurzfristig am Auftreten hinderte. Und Rumetz sollte noch diese Woche bei einem Rigoletto in Freiluftausführung singen, wollen wir es für ihn hoffen.

Margarita Gritskova

Margarita Gritskova auf Männerfang

Die Entdeckung dieses Abends aber war – nein, nicht der Tenor. Saimir Pirgu ist ein Sänger für das ernsthafte, für den seriösen Auftritt etwa vom Zuschnitt eines Don Ottavio. Für diesen leichtfertigen Falotten von einem Herzog auf dem Thron der Gonzaga ist die Stimme zu schwer, verleiht der ganzen Figur eher einen angestrengten Gestus als die von Verdi mit scheinbar leichter Hand hineinkomponierte Lebensfreude. Als verführerische Bühnenerscheinung ginge er ja durch, als Produzent lauter Töne mit höbarer Anstrengung nicht.

Also, die eigentliche Entdeckung war jenes zarte Geschöpf einer Gilda, die bei der Premiere noch einen – man verzeihe mir – piepsigen Pagen gab, die sich mit einer tadellosen Gesangsleistung, fern von jedem Soubrettenklischee in die Herzen der Kenner und des Publikums sang: Hila Fahima. Und wenn wir schon bei den Damen sind, auch Margarita Gritskova war eine reizende Maddalena, im Spiel verspielt kokett – für dieses Gewerbe fast ein wenig zu wenig ordinär – und gesanglich von verführerischer Eleganz. Die hatte Ain Anger nicht, braucht sie auch nicht zum morden in diesem seltsamen Blechhäuserl, aber etwas mehr stimmliche Prägnanz und Schwärze wäre für den Brutalo schon nötig.

Sorin Coliban, Monterone, stirbt unter mächtigem Stimmaufwand und brutalen Stichen, Mihail Dogotari, Marullo, ist ja doch noch ein wenig Gutmensch in dieser miesen Gesellschaft und drückt dies gesanglich auch gut aus, den Ceprano muß Marcus Pelz in dieser Regie besonders widerlich darstellen. Kein Wunder, wird doch Simina Ivan, seiner Angetrauten, übel mitgespielt. Aber ob Bryony Dwyer als Page ebenso eine Karriere machen wird wie ihre Vorgängerin in dieser Rolle, das werden wir beobachten.

Evelino Pidò gab sich alle Mühe, mit weitausladenden Gesten und Einsätzen eine eigenständige Interpretation zu Wege zu bringen, zu vermissen war aber jener Sog, jene vorantreibende Kraft, die dem im Drama innewohnenden schicksalhaften Druck spürbar gemacht hätte. So wenig Applaus hatte etwa das große Duett Gilda – Rigoletto am Ende des zweiten Aktes noch selten. Da müßte doch das Haus rasen, so aber… ?

 Dafür gab es vielen aber kurzen Jubel am Schluss, der sich auch bei jedem Vorhang in ein bislang im Haus ungewohntes Bravi-Geschrei entlud.

 

Peter Skorepa
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Foto: M.Pöhn/WSO

 

 

 

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