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WIEN/ Staatsoper: FIDELIO

25.04.2018 | Oper

Peter Seiffert als Florestan Foto: M.Pöhn

WIEN / Staatsoper: FIDELIO am 24.04.2018

Es ist beeindruckend, wie viele Weltklassetenöre innerhalb weniger Tage in Wien zu hören und zu erleben sind: Stephen Gould als Siegfried, Christopher Ventris als Siegmund, Jonas Kaufmann als Andrea Chenier, Roberto Alagna als Calaf und schließlich der unverwüstliche Peter Seiffert als Florestan der aktuellen, qualitativ hochrangig besetzten Fidelio-Serie.

Basis für einen beeindruckenden Opernabend ist bei Beethoven natürlich das konzertgestählte Orchester der Wiener Staatsoper, das besonders in der Leonorenouvertüre dokumentiert, dass es als symphonischer Klangkörper permanent internationale Erfolge feiert. Besonders mit einem so leidenschaftlich engagierten Kapellmeister wie Adam Fischer gelang, nach dem beeindruckenden Ring, auch eine denkwürdige Interpretation von Fidelio, dieser leider ewig aktuellen Freiheitsoper. Einen wichtigen Beitrag leisteten die Wiener Hörner, die diesmal unfallfrei durch die Vorstellung kamen und mit ihrem unvergleichlich schönen, samtigen Klang für ungetrübte Freude sorgten.

Neben dem Wagner-erprobten Heldentenor Peter Seiffert, der den Ausflug ins Zwischenfach trotz der exponierten Höhenlage eindrucksvoll bewältigte, erlebten wir Ricarda Merbeth, die die Erweiterung ihres Repertoires ins dramatische Fach erfolgreich bewältigt hat, als komplette Leonore. Dank ihrer lyrischen „Herkunft“ wurden die zarteren Passagen besonders eindrucksvoll gestaltete. Die stimmliche Tagesverfassung dürfte bei dieser Vorstellung allerdings nicht die beste gewesen sein – ein ungewohnt starkes Vibrato und scharfe Höhen beeinträchtigten im Verlauf der Handlung das Hörelebnis.

Als „Stimme des Abends“ erwies sich Stefan Cerny. Der bewährte Rocco aus dem Ensemble der Volksoper, der mit seinem wunderschönen, hallig und sonor klingenden Bass an die unverwechselbare Stimme von Walter Fink erinnert, sang und gestaltete die vielschichtige Rolle des Kerkermeisters mit beeindruckener schauspielerischer Intensität. 

Der zweite Solist mit Wurzeln in der Volksoper war Jörg Schneider als Jaquino. Sein klarer, technisch guter Tenor bildet eine hochwertige Bereicherung für das Ensemble der Wiener Staatsoper. Marzelline, das Ziel seiner Begierde, wurde von Ileana Tonca routiniert gespielt und noch immer mit schönem, mädchenhaftem Sopran gesungen. Das Quartett „Mir ist so wunderbar“ bietet in dieser Zusammenstellung perfekten Wohlklang

Die eindrucksvollste Persönlichkeit des Abends war für uns Tomasz Konieczny als Don Pizarro. Der Bösewicht liegt ihm bestens in der Kehle und man merkt ihm das Vergnügen an der Gestaltung dieses fragwürdigen Charakters an. Nicht zufällig gehören der Alberich, Jochanaan, Telramund und Scarpia zu seinen Paraderollen. Seine derzeitige Präsenz an der Wiener Staatsoper – dreimal Wotan, Gunther und Don Pizarro, innerhalb von zwei Wochen – ist beeindruckend.

Clemens Unterreiner sorgte als Don Fernando mit warmem, sicherem Bariton dafür, dass die menschliche Botschaft dieser humanistischen Oper auch würdig vermittelt wurde.

Der Chor der Wiener Staatsoper lieferte sowohl darstellerisch berührende als auch  gesanglich imposante Eindrücke und glänzte zusätzlich durch die aussergewöhnlich schönen Solostimmen der beiden Gefangenen Wolfram Igor Derntl – den wir erfreulicherweise immer öfter in Solopartien erleben können –  und Hiro Ijichi.

Nicht unerwartet ernteten Stefan Cerny und Adam Fischer den heftigsten Einzelapplaus nach dieser überdurchschnittlich gut gelungenen Repertoireaufführung.

Maria und Johann Jahnas

 

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