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WIEN/ Staatsoper: FIDELIO – Derniere

10.06.2015 | Oper

Wiener Staatsoper: FIDELIO am 09.06.2015 – Derniere


Nina Stemme. Foto: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

 Diese Vorstellungen des Fidelio mit dem Staatsoperorchester bzw. den Wiener Philharmonikern beweisen in aller Deutlichkeit die Absurdität des Ioan Holender – Sagers über die Trennung der Wiener Staatsoper vom wohl weltbesten Opernorchester.

Da man dem ehemaligen Operndirektor weder Unkenntnis noch besonders ausgeprägten Uneigennutz nachsagen kann, ist zu vermuten, dass da noch eine alte Rechnung mit den selbstbewussten Philharmonikern abgearbeitet wird. Nicht jede Aussage eines Achzigjährigen ist von Altersweisheit und schon gar nicht von Altersmilde durchdrungen.

 Unter der temperamentvollen und kompetenten Leitung von Adam Fischer erlebten wir die eindrucksvolle Musik Beethovens in berauschender Intensität. Für den Brauch, die Leonorenouvertüre als Zwischenmusik im zweiten Akt zu spielen, sind wir Gustav Mahler immer wieder dankbar. Der großartige Staatsopernchor bildete besonders mit dem Gefangenenchor und im Finale den zweiten Fixpunkt für die erfolgreiche Aufführung dieser für Wien und Österreich so geschichtsträchtige Freiheitsoper.

 Die solistischen Gesangsleistungen konnte in dieser Serie leider nicht ganz Schritt halten:

 Nina Stemme gelang bei ihrer ersten Serie in Wien eine sehr gute Leonore; Bühnenpersönlichkeit, stimmliche Präsenz im dramatischen und in den lyrischen Passagen waren Garant für die eindrucksvolle Rollengestaltung. In der großen Arie der Leonore zeigte sich, dass diese Partie auch für erfolgreiche Wagner/Strauss – Heroinen eine echte Herausforderung darstellt, die aber souverän gemeistert wurde.

 Robert Dean Smith war den Anforderungen, die Beethoven in die Rolle des Florestan komponierte nicht ganz gewachsen; seine im Lyrischen so schöne Stimme war im heldentenoralen Teil der Kerkerszene überfordert.

 Überfordert war auch – zu unserer Überraschung – Jochen Schmeckenbecher als Don Pizarro. Unsere hohen Erwartungen nach seinem wunderbaren Musiklehrer in Ariadne auf Naxos und dem guten Faninal im Rosenkavalier wurden leider nicht ganz erfüllt – sein Bariton war in den von uns besuchten Vorstellungen weder dominant noch bedrohlich.

Nur schön zu singen ist für den Pizarro einfach nicht genug.

 Lars Woldt sang und spielte einen passablen Rocco – für unseren Geschmack ist sein Bass für den Kerkermeister etwas zu hell. Es wird dadurch im Quartett „Mir ist so wunderbar“ das Spektrum der Stimmlagen eingeschränkt – der Abstand zum Tenor des Jaquino wird sehr klein. Dieser Eindruck ist natürlich subjektiv und von persönlichen Hörgewohnheiten mit schwärzeren Bässen geprägt. Der Kapitalisten – Song (auch als „Gold – Arie“ bekannt) wurde eindrucksvoll gesungen und gehörte mit der immer gültigen Aussage zu den genialen Botschaften dieser Oper.

 Als Marzelline kam in dieser Serie Annika Gerhards anstelle von Valentina Nafornita zum Einsatz und nützte ihre Chance in der ersten größeren Rolle an der Staatsoper mit einer passablen Leistung. Sie ist zwar noch von der jugendlich klaren Stimme einer Ildiko Raimondi entfernt, konnte aber besonders in den gemeinsamen Stellen mit Nina Stemme gefallen. Norbert Ernst war wieder ein sehr guter Jaquino – diese Rolle passt hervorragend zu seinem klaren, technisch guten Tenor – auch darstellerisch eine solide Leistung!

 Es ist wohltuend, dass man den Minister nicht mehr mit verdienten, aber „abgesungenen“ Veteranen besetzt – so bekamen wir diesmal Sebastian Holecek zu hören, der für den Don Fernando eine echte Luxusbesetzung darstellt. Sein edler, tragfähiger Bassbariton berührt im Appell für Menschlichkeit und Güte und wir denken mit Wehmut daran, welch großartiger Don Pizarro er est vor kurzem in der Volksoper war…..mal sehen!

 Sowohl die Salome – als auch die Fidelio – Serie zeigten deutlich, dass am Dirigentenpult ernsthafte und kompetente Kapellmeisterarbeit wichtiger ist als gehypter Starrummel.

 Maria und Johann Jahnas

 

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