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WIEN/ Staatsoper: FAUST – letzte Vorstellung der Serie

11.05.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: 10.05.2014 – FAUST

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Adrian Eröd. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

Bei aller Vorsicht im Umgang mit Superlativen können wir mit ruhigem Gewissen berichten: Es war eine Sternstunde!

 Selten, dass in einer Vorstellung alle Beteiligten zu Höchstleistungen auflaufen – beginnend mit einem souveränen Bertrand de Billy am Pult eines höchst inspiriert spielenden  Staatsopernorchesters, das unter Führung der Konzertmeisterin Albena Danailova – die auch traumhaft schöne Soli beisteuerte – willig der gefühlvollen und temperamentvollen Interpretation seines Kapellmeisters folgte. Dazu der „weltbeste Opernchor“ mit gewaltigen Massenszenen, aber auch gefühlvoll gestaltend (hervorragend eingestellt von Thomas Lang), was in dieser minimalistischen Inszenierung besonders wichtig ist. Die Personenregie dominiert mangels üppigem Bühnenbild das Geschehen und es ist ein besonderer Glücksfall, dass man dazu noch so exzellente Singschauspieler zur Verfügung hat.

 Die größte Freude bereitete uns Piotr Beczala als Doktor Faust. Hatte er in der ersten Vorstellung noch hörbar mit den Höhen seine liebe Not, überzeugte er in dieser dritten – und leider letzten – Vorstellung in allen Lagen. Das „Salut! Demeure chaste et pure“ gelang perfekt und berührend – der begeisterte Applaus bezeugte diese einzigartige Leistung. Während der Darbietung von Piotr Beczala erfüllte uns Wehmut über seine Absage für den Hoffmann – in dieser Form wäre eine weitere Sternstunde vorprogrammiert gewesen.

 Absolut verblüffend ist die spielerische Leichtigkeit, mit der Sonya Yoncheva die anspruchsvolle Rolle der Marguerite bewältigte. Die warme, erstaunlich reif klingende Stimme trägt im Piano und ist in allen Lagen technisch perfekt mit schönem Timbre und neigt erst im Hochdramatischen in extremer Höhe zu leichter (absolut nicht störender) Schärfe. Wir glauben, dass wir hier den Beginn einer großen „Weltkarriere“ erleben. Der „Guardian“ meint: „Ein Stern geht auf!“

 Beeindruckend – wie schon beim ersten Mal – bewies Erwin Schrott, dass er nicht nur ein mächtiger Bassbariton, sondern auch ein begnadeter gesanglicher Gestalter von allen Stimmungen ist. Die Erzählung vom goldenen Kalb ist einer der vielen Höhepunkte dieses Abends. Schauspielerisch lässt er keine Wünsche offen – sein Mephistopheles ist teuflisch  – ein echtes Bühnentier!

 Im Gegensatz zum brutalen, zynischen Höllenfürst ist Adrian Eröd als Valentin für den unglaublich berührenden Schöngesang zuständig. Er bewältigt die für einen Bariton bemerkenswerten Höhen problemlos (mit leichter Abdunklung) – seine Loge–Vergangenheit kommt ihm hier sicher zugute.

 Stephanie Houtzeel hat mit dem Siébel eine Rolle gefunden, die ihrer Stimme sehr entgegenkommt. Sie sang und spielte eindrucksvoll. Auch Aura Twarowska kann sich als Marthe wesentlich temperamentvoller darstellen als noch am Vortag. Ihr Kokettieren mit dem Teufel ist beeindruckendes Theater.  Jogmin Park als Wagner überzeugte wieder mit seinem sonoren Bass.

 Der Schlussapplaus war den Leistungen entsprechend euphorisch – besonders Bertrand de Billy wurde gefeiert wie ein „verlorener Sohn“. Wir haben den Eindruck, dass es auch andere Opernfreunde gibt, die nicht ganz glauben, dass die Lohengrin-Striche die einzige Ursache für den Rückzug des musikalischen Leiters waren. Doch genug davon – wir wollen weder spekulieren noch Öl ins Feuer gießen.

 Jedenfalls haben wir es nicht bereut, trotz Songcontest, Met im Kino und Bundesligafinale (de) die Wiener Staatsoper zu wählen. Die Verkehrsbehinderungen am Ring machten es nicht leicht, aber wir und viele andere haben es dann doch rechtzeitig geschafft, sodass sowohl das Haus als auch der Herbert von Karajan Platz brechend voll waren – kaum wer wird es bereut haben.

 Maria und Johann Jahnas

 

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