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WIEN/ Staatsoper: EUGEN ONEGIN

26.10.2015 | Oper

WIEN/Staatsoper: EUGEN ONEGIN  am 25.10.2015
(von Helmut Christian Mayer)

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Anna Netrebko. (Tatjana). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die Erwartungen sind hochgeschraubt. Denn immerhin ist keine geringere als Anna Netrebko angesagt, um in der aktuellen Aufführungsserie von Peter Iljitsch Tschaikowskis „Eugen Onegin“ an der Wiener Staatsoper die Tatjana zu singen. Und natürlich sind viele hauptsächlich oder nur deshalb gekommen, um sie singen zu hören. Die Erwartungen werden erfüllt. Denn sie singt diese Partie mit viel Herzblut. Reich an Schattierungen ist ihr Gesang, vom kaum hörbaren, feinsten Piano bis zu ihren emotionalen Ausbrüchen  Die Briefarie sowie das Finale werden mit ihrem wunderbar dunkel timbrierten Sopran überhaupt zum Ereignis. Glaubhaft und detailreich ist auch ihre Wandlung vom schüchternen, fast trotzigen Mädchen zur souveränen Fürstin. Und es ist immer wieder erstaunlich, dass der Superstar sich trotz des großen Hypes um seine Person im Gegensatz zu so manchen anderen Kolleginnen immer völlig ohne Allüren in ihre Rolle und ins Ensemble einfügen kann.

Christopher Maltman singt seinen ersten Titelhelden überhaupt. Kraftvoll und nuancenreich ist sein Bariton, es fehlt auch nicht an glaubwürdiger, hautnaher Emotion. Auch kann er, wenn bei der Rolle nötig, mit harter Kühle singen. Darstellerisch seine besten Momente hat er beim großen Streit wegen Olga, der dann zum verhängnisvollen Duell mündet und zum Finale, wenn er von Tatjana endgültig abgewiesen wird.

Dmitry Korchak ist Lenski. Er spielt die Figur des sensiblen Dichters mit allen Fassetten, zuerst liebenswert, übermütig, dann voll brennender Eifersucht und schließlich verzweifelt. Er singt ihn mit einem herrlich klingenden, ungetrübten, höhensicheren Tenor, vor allem in seiner großen Abschiedsarie vermag er intensiv zu berühren.


Zoryana Kushpler (Olga). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Zoryana Kushpler kann als quicklebendige Olga mit Koketterie und ihrer dunklen, schönen Stimme punkten. Pavel Kolgatin tritt als Monsieur Triquet wie ein Rockstar mit Brille und Glitzerjacket auf und meistert diese Partie bravourös. Und Ferruccio Furlanetto ist wie immer ein edler, gefühlvoller Fürst Gremin mit großer Würde. Gut singen auch Monika Bohinec als Larina Aura Twarowska als Filipjewna  sowie der Chor des Hauses!

Geschickt aber etwas zu routiniert leitet Patrick Lange das Staatsopernorchester. Zwar lässt er immer wieder nuancen- und farbenreich musizieren, es fehlt aber doch etwas an Temperament, die spannungsvollen Momente ließen sich noch mehr ausreizen. Dafür trägt er die Sänger freundlich über alle musikalischen Klippen.

Jubel und Ovationen!

Helmut Christian Mayer

 

 

 

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