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WIEN/ Staatsoper: EUGEN ONEGIN

02.05.2015 | Oper

WIENER STAATSOPER: „EUGEN ONEGIN“ am 1.5.2015

 

Bereits die 36. Aufführung dieser Produktion und immer noch fehlt der medizinische Warnhinweis, dass zu viel auf die Bühne zu schauen Kopfweh und Sehstörungen verursachen kann. Der andauernde Schneefall, der nach der Idee des Regisseurs Falk Richter die seelische Kälte symbolisieren soll, bringt das mit sich. Ganz im Gegensatz zu diesem Regieansatz brodeln unter der souveränen Leitung von Louise Langrée im Orchester die Gefühle voll auf, so dass es einem leicht fällt, sich vom Optischen zu lösen und der Musik zuzuwenden. Maija Kovalevska, die bereits vor vier Jahren in einer Onegin-Serie zu hören war, war eine berührende, jungmädchenhafte Tatjana mit einem klaren, gut geführten Sopran. Onegin wurde durch Peter Mattei verkörpert und er konnte mit seinem wohlklingenden Bariton auch Sympathien für den arroganten, selbstverliebten Titelhelden erzeugen. Problematisch ist höchstens, dass sein Bariton fast heller klingt als der Tenor von Charles Castronovo, der in dieser Serie erstmals in Wien den Lenski sang. Die große Arie gelang ihm sehr ausdrucksstark, während er sonst doch den schwärmerischen Schmelz des jungen Verliebten vermissen ließ. Seine Angebetete Olga wurde von Irina Maximova tadellos gesungen, ohne dass sie stimmliche Glanzpunkte setzen konnte. Als sensationell würde ich den Gremin von Jongmin Park bezeichnen. Wie er in seiner Arie die Reprise in einem wohlklingendem, voll auf dem Atem gesungenem Piano servierte, das muss keinen Vergleich mit den großen Vorgängern scheuen. Der Applaus setzte auch noch vor dem Orchesternachspiel ein. Aura Twarowska war eine sehr gute Filipjewna, bei Suzanne Hendrix als Larina schien noch einige Unsicherheit mit im Spiel zu sein. Norbert Ernst war der Einspringer für Pavel Kolgatin, der sich mittlerweile vermutlich zum meistabsagendem Mitglied des Ensembles entwickelt hat.

Ein Abend, den man mit geschlossenen Augen genießen konnte. Nur beim Vorspiel zum letzten Bild war ein Zuschauer auf der Galerie der Meinung, dass Tschaikowski bei der Instrumentierung mehrere laute Schnäuzgeräusche vergessen hätte.

Wolfgang Habermann

 

 

 

 

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