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Wien/ Staatsoper: ENSEMBLEMATINÉE ROSIE ALDRIDGE UND BROR MAGNUS TODENES

16.01.2017 | Konzert/Liederabende

VIELVERSPRECHENDE „ENSEMBLEMATINEE AM SONNTAG“ (2) MIT ROSIE ALDRIDGE UND BROR MAGNUS TODENES (15.1.2017)

Die Serie ist eine Art „Glückstopf“ geworden, in der sich mehr oder weniger vielversprechende Talente der Wiener Staatsoper vorstellen können. Diesmal dominierte jedenfalls der positive Eindruck: die britische Mezzosopranistin Rosie Aldridge, die in der jüngsten Sonnambula-Serie als Teresa aufhorchen ließ und der norwegische Tenor Bror Magnus Todenes – er begeisterte zuletzt als Malcolm in Verdi’s „Macbeth“ – gehören zweifellos in die Kategorie „Hoch-Talent“, deren Namen man sich merken sollte. Am Klavier begleitet wurden die beiden souverän durch den Studienleiter der Staatsoper seit 2013 Thomas Lausmann. Der ehemalige Thielemann-Assistent hatte diesmal ein besonders breites Repertoire zu präsentieren und begann mit  Giaocchino Rossini. Rosie Aldridge stellte sich mit der Arie der Isabella aus „L’italiana in Algeri“ vor. Die dunkle, voluminöse Mittellage kontrastiert zu einer etwas künstlich aufgesetzten Sopran-Höhe. Dennoch: die Koloraturen sitzen, der Vortrag der sympathischen Künstlerin ist lebendig und der Britin wird mit spontanem, heftigem Applaus gedankt. Dann der Tenor-Kollege aus Norwegen: der zierliche, knabenhafte Sänger startet mit einem „Schlager“ – mit „Una furtiva lagrima“, der Arie des Nemorino aus Donizetti’s „L’elesir d’amore“. Er könnte als Parade-Beispiel für „perfekten Stimm-Sitz“ fungieren.  Die helle, metallische Stimme verliert in keiner Lage ihr „strahlendes Timbre“, die Belcanto-Qualitäten des in Rom ausgebildeten Tenors sind beachtlich. Und die Musikalität ist frappant. Jubel und Bravo-Rufe schon für seinen Start. Daran wird sich  bei dieser Matinee bis zuletzt nichts ändern. Nach dem „Ohrwurm“ eine Seltenheit: „Giunto sul passo estremo“, die Arie des Faust aus Boito’s „Mefistofele“. Der junge Norweger begeistert ein zweites Mal. Weiter mit Rosie Aldridge und dem „Hexenritt“ aus Humperdinck’s „Hänsel und Gretel“ – komödiantisch, lockend und bizarr; viel besser als zuletzt mit der mässigen Premierenbesetzung. Dann wieder Todenes: 3 Lieder seines Landsmannes Edvard Grieg; den meisten Eindruck vermittelte „Ich liebe dich“. Das ist „Sangeslust pur“, das war Musizieren ohne Schwerkraft. Dann als Gegenstück, drei Wesendonck-Lieder von Richard Wagner : darunter –  als Höhepunkt „Schmerzen“ mit hochdramatischem Applomb! Rosie Aldridge wandelt hier tatsächlich auf den Spuren einer Christa Ludwig oder Gwyneth Jones. Zuletzt die Szene des Lenski „Kuda, kuda“ aus „Eugen Onegin“ von P.I. Tschaikowski und die Arie der Elisabetta aus „Maria Stuarda“ von Gaetano Donizetti. Zum „Farewell“ noch die prachtvoll gesungene Sternen-Arie des Cavaradossi aus Puccini’s „Tosca“ – klar, dass es da auch noch Zugaben geben musste: Todenes hielt sich wieder an Italien mit einem „Sogno di Rosa“ und Rosie Aldridge wählte ein britisches Volkslied zum Abschied: „Good bye“! Die Begeisterung war ehrlich, spontan und intensiv. Man wird sich die Namen Aldridge und Todenes merken müssen – und auch ein Sonderlob für den Pianisten Thomas Lausmann ist fällig!

Peter Dusek

 

 

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