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WIEN/ Staatsoper: ELEKTRA

22.11.2015 | Allgemein, Oper

WIEN/ Staatsoper: „ELEKTRA“ am 21.11.2015


Matthias Goerne als „Orest“. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Zwar gab es in dieser Aufführung keine Pannen mit dem Paternoster, so dass die lebenden (toten) Bilder zum Fluch der Tantaliden auf und ab fahren konnten, als Ersatz fiel dafür ein Lift im Zuschauerraum aus. Wurde die Regie des Schlusses vom Regisseur oder von der Abendspielleitung veranlasst ? (Es tritt zwar nach wie vor die mykenische Volkstanzgruppe auf, sie verlässt aber mit Elektra die Bühne ohne eine kleine Wirtshausrauferei zu beginnen.)

Musikalisch war diese Aufführung auf einem hohen Niveau und das ist nicht zuletzt Peter Schneider zu verdanken. Wenn die Chemie zwischen Orchester stimmt, so lässt sich der riesige Orchesterapparat auch mit kleinen, unaufgeregten Gesten zu emotional aufwühlenden Klängen motivieren, die noch lange nach der Aufführung im Zuhörer Nachklang bewirken.

Seit ihrem Rollendebut im Frühjahr hat Nina Stemme hörbar weiter an ihrer Interpretation gefeilt und bringt nun auch mehr dynamische Schattierungen in die Rolle ein. So kommt im ersten Monolog die Stunde wirklich im Piano und auch in der Erkennungsszene gelingt es ihr gut, die Stimme zurückzunehmen. Ihr Bruder hat gegenüber der Premierenserie gewechselt und mit Mathias Goerne einen großartigen Interpreten. Es ist zu merken, dass das Lied einen bedeutenden Teil seines Schaffens ausmacht. Mit hoher Textdeutlichkeit und sehr dunklem Timbre zeigt er, dass Strauss dem Orest nicht nur Noten, sondern belkanteske Phrasen geschrieben hat, die Legato gesungen werden können. Die Chrysothemis war wieder Gun-Brit Barkmin, die auch in den Fortepassagen nicht forcierte und mit einem klaren, sicher geführten Sopran (scheinbar) mühelos die Orchesterfluten übertönte. Stimmlich verbessert gegenüber der Premierenserie zeigte sich auch Anna Larsson. Jetzt wäre es noch wünschenswert, wenn sie sich etwas mehr der sprachlichen Gestaltung widmen würde. Gerade die Klytemnestra hat selten extreme Lagen oder orchestrale Herausforderungen gegen sich. In der kurzen, schweren Partie des Aegisth lässt sich Herbert Lippert auch durch das Blenden mit der Taschenlampe nicht beirren. In den kleineren Partien sticht Thomas Ebenstein als junger Diener hervor. Donna Ellen ist die Aufseherin über die Gruppen der guten bis sehr guten Mägde (Monika Bohinec, Ilseyar Khayrullova, Ulrike Helzel, Caroline Wenborne und Ildikó Raimondi).

Der Jubel nach der Aufführung konzentrierte sich vor allem auf die drei Agamemnon-Kinder und den Dirigenten.

Wolfgang Habermann

 

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