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WIEN/ Staatsoper: DON PASQUALE. Derniere

12.05.2015 | Oper

Don Pasquale – Derniere. Wiener Staatsoper, 11.05.2015


Valentina Nafornita. Copyright: Barbara Zeininger

 Die sechste Aufführung der Premerienserie war gleichzeitig auch die letzte und brauchte ein Rollendebüt mit sich. Der berühmt-berüchtigte „Rosa Zettel“ verhieß nichts Gutes, da ja Juan Diego Flórez in den letzten Tagen nicht gesund gewesen ist und unter anderem auch einen Termin mit den „Opernfreunden“ kurzfristig absagen musste. Nun, Flórez sang, allerdings hatte es den ursprünglich als Notar vorgesehenen Wolfram Igor Derntl erwischt und so kam der seit Jänner 2015 an der Staatsoper tätige Ukraine Yevheniy Kapitula zu seinem Rollendebüt. Der Kurier-Stipendiat machte seine Sache sehr ordentlich und fiel gegenüber den anderen Sängern nicht ab.

 Wie gesagt, Juan Diego Flórez war rekonvaleszent und dementsprechend vorsichtig ging er den Abend an. Er ließ sich zwar nicht ansagen, allerdings vermisste man auf jeden Fall die bei ihm gewohnte Leichtigkeit, er klang auch etwas belegt. Nichtsdestotrotz gelangen ihm alle hohen Töne – und es war ein Vergnügen, ihn als Schauspieler beobachten zu können. Es ist tatsächlich bewundernswert, um wie viel lockerer und animierter er jetzt auf der Bühne steht im Vergleich zu seinen früheren Jahren an der Staatsoper. Da der Sänger nicht vollständig gesund war erlaube ich mir auch nicht, ein endgültiges Urteil über ihn an diesem Abend abzugeben.

 Die Stimme von Valentina Nafornita ist, seit dem sie in Wien engagiert wurde, größer geworden, allerdings ist diese noch immer ein „work in progress“, was besonders bei ihrer Auftrittsarie zu bemerken war. Später, als sie sich frei gesungen hatte, wirkte sie auch viel sicherer und brillierte besonders bei den hohen Tönen. Etwas mehr Volumen wäre aber sicherlich wünschenswert. Dass sie eine wirklich attraktive junge Frau ist, wird in dieser Inszenierung auch betont (wie ja auch schon in Salzburg, als sie die Zerlina sang) – inwieweit in der Zukunft eine Sängerin ohne solche Model-Maße in die Produktion passen wird, wird sich ja noch zeigen.

Alessio Arduini war ein Malatesta, der auf New Age unterwegs war. Er sang korrekt, allerdings fehlt da das gewisse „Etwas“, was man bei so einem Ränkeschmied gern sehen (und irgendwie auch hören) möchte. Unter Umständen ist das auch der Tatsache geschuldet, dass er noch jung ist und erst noch Lebenserfahrung sammeln muss (ich sehe den Malatesta altersmäßig immer in der gleichen Liga wie den Dulcamara – auch da ist ein junger Sänger nicht von Vorteil).

 Eindeutig zu jung wirkte auch Michele Pertusi in der Titelrolle. Er ist ein Mann in der Blüte seiner Jahre und wirkt niemals als ein Greis von über 70 Jahren (was ja im Libretto steht). Er hatte eine gute Technik und erfüllte auch die Anforderungen, die die Regie vorgegeben hat.

 Jesús López Cobos war ein umsichtiger Dirigent, der im ersten Akt aber ein bisschen zu laut spielen ließ und so Sänger ein wenig zudeckte. Man vermisste auch – und da besonders beim Finale des dritten Aktes – ein wenig Spritzigkeit, das wirkte alles ein bisschen müde…

 Irina Brook hat Zeit und Ort des Stückes geändert. Man befand sich in einer Bar Mitte des 20.Jahrhunderts. Die beiden mexikanische Gitarristen (die aber wirklich gut zum Auftritt von Flórez passten) würde ich nicht in Rom ansiedeln. Die Produktion tut niemanden wirklich weh – viele Kollegen sind da schon ins Detail gegangen und es wurde alles gesagt – aber noch nicht von mir. Und dabei soll es auch bleiben. 

Kurt Vlach

 

 

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