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WIEN/ Staatsoper: DON PASQUALE

10.06.2017 | Oper

Wiener Staatsoper:  „DON PASQUALE“ am 9.6.2017

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Michele Pertusi, Gabriel Bermudez, Danielle De Niese. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Bei Rollendebuts wird gerne auf Adjektive von „erfolgreich“ bis „sensationell“ zurückgegriffen. Bei den beiden Debuts dieses Abends gerate ich nicht in die Verlegenheit, aus diesen Kategorien wählen zu müssen. Danielle de Niese, die bislang in einigen Produktionen des Theaters an der Wien erfolgreich war, trat erstmals an der Staatsoper auf und ihre Norina hinterließ einen äußerst zwiespältigen Eindruck. Optisch und darstellerisch eine entzückende selbstbewusste junge Dame, die alles einsetzt, um ihren geliebten Ernesto zu bekommen, bleibt sie stimmlich viel schuldig. Verwaschene und unsaubere Koloraturen und ein unüberhörbarer Hang zum Zutief-Singen trüben den Eindruck entschieden. Da gibt es bessere Rollenvertreterinnen im eigenen Ensemble.

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Gabriel Bermudez. Copyright: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Zu diesem gehört seit einigen Jahren bereits Gabriel Bermudez. Leider hat sich der Sänger nicht weiter entwickelt. Vielleicht könnte er an einem kleinen Haus besser reüssieren. Für die Staatsoper reicht das Volumen seiner Stimme nicht aus. Er ist gezwungen, praktisch immer „am Anschlag“ zu singen. Für die musikalische Gestaltung bleibt da nicht viel Raum und auch das Spiel wirkt mehr bemüht als locker. Retter des Abends waren die beiden „Nicht-Debutanten“, wobei Antonino Siragusa als Einspringer für Jinxu Xiahou zum Zuge kam. Er demonstrierte perfekten Belcanto-Gesang. Hätte die Stimme nur etwas Schmelz, so wäre er perfekt.

Aus der Besetzung der Premiere verblieb Michele Pertusi. Mit vollsaftigem Bass und großer Spielfreude zeichnet er den johannistriebigen Hagestolz, der glaubt, in einer späten Ehe Glück zu finden. Wäre er ein besserer Onkel, so ließe er auch seinem Neffen ab und zu sein Toupet, aber das erlaubt die Eitelkeit nicht. Mihail Dogotari ergänzt als falscher Notar. Meine absolute Lieblingsszene dieser Inszenierung ist aber das Povereo Ernesto, bei dem Gerhard Berndl mit seiner Trompete an einem Kaffeehaustisch sitzt und sich gemeinsam mit Siragusa den Blues gibt.

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Antonino Siragusa, Danielle De Niese. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die ersten fünf Allegrotakte der Sinfonia ließen bereits Schlimmes für das Dirigat von Speranza Scapucci fürchten, aber in der Folge klappte die Kommunikation dann doch besser und die junge Dirigentin war sehr um den Ausgleich zwischen Bühne und Orchester bemüht. Der von Martin Schebesta einstudierte Chor lieferte seinen berühmten Dienerchor perfekt ab .

Wolfgang Habermann

 

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