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WIEN / Staatsoper: DON GIOVANNI

12.01.2014 | Oper

 

WIEN / Staatsoper: 
DON GIOVANNI von W. A. Mozart
23. Aufführung in dieser Inszenierung
11. Jänner 2014 

Beim Studium des Programmzettels dieser „Don Giovanni“-Aufführung ist unschwer zu entnehmen, wessen Name dafür gesorgt hat, dass die vier Aufführungen dieser Serie gänzlich bzw. fast (und demnächst sicher ganz) ausverkauft sind. Denn nur Rolando Villazón strahlte in der Besetzung jenen Glanz aus, dass er als Person zum Motiv wird, einen Opernabend zu besuchen. Und das, obwohl er nun schon jahrelang „der Fall Villazon“ ist – und seltsamerweise als dieser offenbar noch genau so faszinierend wie einst, als „Rolando und Anna“ das waren, was die Oper genau so braucht wie das Kino (oder das Eislaufen) – ein „Traumpaar“.

Villazón, der sich von Krankheit und Stimmkrise nicht kleinkriegen ließ, der einfach nicht bereit ist, das Handtuch zu werfen, hat sich nun Mozart zugewandt. Nicht, weil dieser leichter wäre als sein früheres Repertoire, sondern weil man bei ihm auch mit weniger Stimmkraft zu guten Ergebnissen kommen kann. Wenn allerdings in naher Zukunft Ferrando und Belmonte auf seinem Plan stehen, kann man nur hoffen, dass er sich nicht verrechnet, denn es ist ihm schon der Don Ottavio nicht ganz leicht gefallen, und der ist bekanntlich vom Umfang her keine sehr große Partie. Allerdings eine mit zwei berühmt-berüchtigten Arien (von denen Michael Schade einmal sagte, „es gibt Kollegen, die vorher aus der Toilette nicht herauskommen, so sehr fürchten sie sich davor“). Sonst hat der „fade“ Liebhaber der Donna Anna meist nichts zu vermelden.

Nicht so bei Rolando Villazón, dem Temperamentsbündel. Einen so lebhaften, von Anfang an so engagierten, mitspielenden Don Ottavio hat man tatsächlich nie gesehen –  allerdings ganz ohne „Lazzi“ und Übertreibungen, einfach nur in hohem Maße präsent.

Der musikalische Teil kam ihm nicht gänzlich locker aus der Kehle, er sang Mozart auch in jenem Italianità-Stil seines früheren Repertoires, aber er kam durch die Arien (er hat das Mozart-Singen samt den Verzierungen ja schon bei „Lucio Silla“ stark geprobt) und das Publikum klatschte glücklich, weil jeder ihm das Beste wünscht. Die hohe Schule des Mozart-Gesangs war es nicht, darauf ließ Villazón sich gar nicht erst ein, aber wieder eine tapfere Schlacht, die er erfolgreich geschlagen hat. Nicht zuletzt deshalb, weil er über – laut Goethe – das höchste Glück der Erdenkinder verfügt, nämlich die Persönlichkeit…

Mit der Titelrolle bewies die Staatsoper – nicht jedermann wird schrankenlos glücklich damit gewesen sein – die Bereitschaft, große Rollen, die an einem Welthaus vielleicht doch auch mit Weltnamen besetzt werden sollten, aus dem Ensemble zu bestücken. Adam Plachetka hat den Giovanni als Einspringer schon gesungen und damals solche Begeisterung geerntet, dass man meinen musste, der neue Star sei gefunden. Ganz so wild ist es nicht, zumal  er trotz einiger eindrucksvoller dunkler Töne vom Timbre her heller ist, als man es für diese Rolle gerne hat. Er zeigt am Anfang seine Muskeln, macht dann in schwarzem Leder gute Figur, aber dass er ein aufregender Interpret dieser Ausnahmefigur der Opernliteratur wäre – das kann man noch nicht sagen. Wird vielleicht noch werden.

Auch aus dem Ensemble besetzt: Dan Paul Dumitrescu gab dem Komtur, zumal, wenn er aus dem Grabe stieg, eindrucksvolles Donnern, Ileana Tonca hat sich in jahrelangen treuen Diensten am Haus dennoch die leichte Stimme bewahrt, die es ihr ermöglicht, eine angenehme Zerlina zu singen, aber sie bekommt in Marcus Pelz nicht gerade einen jungen Bauern, sondern eher einen mittelalterlichen Witwer zum Gatten.

Was andere Namen an diesem Abend betrifft, so könnte man sich ihr Auftauchen nicht wirklich erklären – wenn nicht das Gerücht stimmt, dass Agenten ihre Stars nur „verkaufen“, wenn man auch ein paar andere Namen aus ihrem Stall mitnimmt. (Das ist aber reine Vermutung, also gilt ohnedies die Unschuldsvermutung – wahrscheinlich wurde brav vorgesungen und man griff begeistert zu…) David Bizic gab sein Hausdebut als Leporello und war zu Beginn dermaßen unhörbar und mit seiner Arie nicht vorhanden, dass man sich fragte, ob er irgendwann mitzuspielen gedächte. Später fing er sich, ließ einen schönen, weichen Bariton hören, zeigt einige Ansätze, die Rolle zu gestalten, aber wenn man weiß, was ein Leporello sein kann – dann sah man nicht viel.

Hibla Gerzmava legte als Donna Anna anfangs gewaltig los, man erwartete schon, endlich einmal eine „Dramatische“ mit Stimme, Impetus und, wie es zu Beginn schien, auch strahlenden Spitzentönen zu bekommen, aber diese wandelten sich schnell in Schrille, und wo Mozart nicht gewaltiges Wogen, sondern Stimmbeherrschung vorgeschrieben hat, war sie nicht ganz firm. Und Malin Hartelius, ein wirklich dünnes Stimmchen, bot auch nicht die Elvira der Träume.

Diesmal hätte man dem Dirigenten ein Ensemble mit stärkerem Potential gewünscht, denn Alain Altinoglu waltete mit Kompetenz und Gefühl am Pult der diesmal viel besser „gestimmten“ Philharmoniker (verglichen mit dem „Figaro“), er bediente auch selbst delizioso das Cembalo (gelegentlich unterstützt von einem Cello), und aus dem Graben kam wirklich schöner Mozart. Auf der Bühne ging es nicht so überzeugend zu.

Dazu noch: Dass die Plunder-Inszenierung misslungen ist, steht außer Frage, aber was sich da „Lichtregie“ nennt, ist ein schlechter Witz, sinnlose Übergänge zu endlosen Dunkelpassagen – ist schon gut, wenn man das alles nicht sieht, aber so ist es für den Preis einer Opernkarte ja auch nicht gemeint. Und dass man in die Oper gehen und die Augen zumachen soll – da nimmt man sich doch lieber eine CD…

Renate Wagner

 

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