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WIEN/ Staatsoper: DON CARLO zum Start

05.09.2012 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: DON CARLO am 4.9.2012

Dieser Don Carlo ist ein vielversprechender Saisonbeginn, zeigt er doch, dass trotz allen Besetzungsproblemen ein außergewöhnlicher Opernabend gelungen ist. Die Inszenierung – im Juni ausführlich und kontroversiell diskutiert – erweist sich als repertoiretauglich und funktioniert gut; auch mit den Umbesetzungen wird das Niveau der Premierenserie gehalten.

Grundlagen des Erfolges sind einmal mehr das sicher und ausdrucksvoll spielende Staatsopernorchester und der wunderbare Staatsopernchor. Franz Welser-Möst sorgt für Ordnung und erarbeitet liebevoll viele Details, hat aber offensichtlich seinen Lautstärkenregler von den sommerlichen sinfonischen Konzerten noch nicht auf „einfühlsame Sängerbegleitung“ umgestellt.

Großartig wie zu Saisonende waren wieder die vier Superstars in den Hauptrollen. Krassimira Stoyanova singt – nach etwas verhaltenem Beginn – eine fulminante, berührende Elisabeth, Luciana D’Intino ist eine souveräne, furchteinflössende Prinzessin Eboli in stimmlicher Hochform. Rene Pape nützt seine stimmlichen und darstellerischen Fähigkeiten voll zur Gestaltung eines herrischen, leidenden und enttäuschten König Philipp der Extraklasse. Simon Keenlyside singt den Rodrigo traumhaft schön – im Leben wie im Sterben. Der Szenenapplaus und die vielen Bravorufe waren hochverdient.

Ain Anger bietet als Großinquisitor die erwartet gute Leistung auf Augenhöhe mir dem bewährten Quartett. Sein großer Bass zeigt im beeindruckenden Dialog mit Philipp keinerlei Schwächen, und auch die Unterwerfung der rebellierenden Menge war beeindruckend. Dan Paul Dumitrescu ergänzt als Mönch/Karl V das Trio der hervorragenden Bässe des Abends.

Aufgrund der zweimaligen Besetzungsänderung beim Don Carlo galt natürlich dem Auftritt von Giuseppe Gipali besonderes Interesse. Sein Herzog von Mantua im Rigoletto – 2010 ließ nichts Gutes erwarten, es stellte sich aber zum Glück wieder einmal heraus, dass man mit Vorurteilen vorsichtig umgehen soll. Giuseppe Gipali gelang ein guter Don Carlo, sein helles Timbre harmonierte gut mit Posa im Freundschaftsduett und er brachte diese exponierte Rolle dank guter Technik und kluger Einteilung der Kräfte zu einem guten Ende. Ich glaube, einen besseren Don Carlo hätten wir auch von Roberto Alagna nicht gehört – vielleicht gibt es in den Folgevorstellungen die direkte Vergleichsmöglichkeit.

Margarita Gritskova blieb als Tebaldo etwas blass, Xiahou Jinxu war ein netter Lerma und Valentina Nafornita liess – nach kurzen Anfangsproblemen eine klare, eindringliche Stimme von oben aus dem Luster strömen.

Diese Produktion wird am 7. September bei der Übertragung nach Hamburg vor die Elbphilharmonie eine gute Werbung für Wien und die Wiener Staatsoper sein. Vielleicht kann diese Inszenierung als guter Kompromiss zwischen dem „intelligenten deutschen Regietheater“ und dem „verstaubten Wiener Museumstheater“ verstanden werden. Mal sehen, wie es bei den bekannt musikinteressierten- und kritischen „Fischköpfen“ – Pardon: ich meinte natürlich bei den Hamburger Opernfreunden – ankommt.

Maria und Johann Jahnas

 

 

 

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