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WIEN/ Staatsoper: DON CARLO – etwas gekürzt

25.09.2014 | KRITIKEN, Oper

25.09.: „DON CARLO“ – mit Überraschungen!

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Adrianna Pieczonka. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

In dieser Don Carlo Serie will die Normalität einfach nicht einkehren. Nach der Absage von Elena Maximova und dem Abbruch von Giacomo Prestia in der ersten Vorstellung startete die zweite Vorstellung mit Sorin Coliban, dem erfolgreichen Einspringer für den Philipp II und der Original Eboli – man durfte eine gute und geordnete Aufführung erwarten. Bis zum Auftritt des Don Carlo im zweiten Akt verlief der Abend planmäßig – anstelle von Roberto Alagna erschien jedoch Dir. Meyer auf der Bühne und berichtete von der plötzlichen Erkrankung des Tenors. Da in der kurzen Zeit kein Einspringer – der zumindest von der Seite die Vorstellung zu Ende singen kann – aufgetrieben werden konnte, entschloss man sich, die noch ausständigen drei Rennomierarien des Posa und der Elisabeth konzertant aufzuführen, um einen Totalabbruch zu verhindern.

 Dabei hatte alles so schön begonnen: Die Wiener Hörner erfreuten mit einem traumhaften Klang in selten gehörter Präzision; das Staatsopernorchester lieferte unter der Leitung von Alain Altinoglu eine leidenschaftliche Verdi-Interpretation die auch – dank der großen Stimmen des Abends – niemanden „zudeckte“. Der gute Gesamteindruck ließ die wenigen nicht so guten Passagen (Cello- und Fagottsolo) leichter verschmerzen. Der Chor begeisterte uneingeschränkt – die Autodafe-Szene ging richtig unter die Haut, doch die übrige Personenführung gehörte zu den wenigen Indizien, dass es sich bei dieser Inszenierung vielleicht um eine szenische Aufführung handeln könnte. Der Vorteil  dieser Regiearbeit von Daniele Abbado ist, dass der Unterschied zum konzertanten Teil der gestrigen Aufführung kaum merkbar war.

 Auch gesanglich hatte diese Vorstellung einen guten Beginn. Yongmin Park, ein junger südkoreanischer Bass, der heuer schon den Otto Edelmann Preis gewonnen hat, sang einen eindrucksvollen Mönch/KarlV mit klarer, schön timbrierter und technisch perfekter Stimme – eine würdige Vertretung für Dan Paul Dumitrescu. In der Folge gelang Roberto Alagna als Don Carlo und George Petean als Rodrigo ein ungewöhnlich berührendes Freundschaftsduett – die beiden Stimmen harmonierten vorzüglich.

 Die gesundheitlich wiederhergestellte Elena Maximova kam zu ihrem Rollendebut als Eboli – sie ist eher eine helle Mezzosopranistin, die die bis ins Alt gehenden Passagen der Auftrittsarie nicht mit der möglichen Eindringlichkeit interpretieren konnte. Im weiteren Verlauf und besonders bei „O don fatale“ blühte die Stimme auf und sie konnte dem ihr vorauseilenden Ruf gerecht werden.

 Besonderes Interesse wurde dem Hausdebut von Sorin Coliban als „kompletter“ Philipp II entgegengebracht. Der in vielen Rollen bewährte Bass aus dem Ensemble der Wiener Staatsoper mit Bayreuth-Erfahrung hat den Philipp schon in Klagenfurt gesungen – im Stammhaus sollte es wegen der Indisposition des Tenors wieder nicht zu einer kompletten Partie reichen. Zum Glück lagen seine wichtigsten Stücke noch im szenischen Teil des Abends und er konnte die Chance nutzen. Der Monolog „Ella giammai m’amo“ gelang eindringlich; es wurde leidenschaftlich und schön gestaltet. Die nachfolgende Auseinandersetzung mit dem Großinquisitor – dargestellt von Ain Anger – geriet zu einem imposanten Duell zweier mächtiger Stimmen mit einem eindeutigen Gewinner: dem Publikum!

Adrianne Pieczonka sang in dieser Serie erstmals in Wien die italienische Elisabeth von Valois und zeigte schon bei den ersten Takten ihre große Bühnenpersönlichkeit. Die herrlich gestalteten Legatobögen und die in allen Lagen gepflegte Stimme begeistert und erfreute uns in der konzertanten Schlußarie mit ganz besonderem Ausdruck. Ihre Pianokultur ist leider nicht sehr ausgeprägt – so kam es zu manchen Ungenauigkeiten, die den Gesamteindruck etwas trübten.

 George Petean hatte – wie schon am ersten Abend – im Kerker, diesmal halt sehr einsam,  seine besten Momente und sang die beiden Arien „Per me giunto“ und „O Carlo ascolta“ hochkonzentriert, schön und mit zu Herzen gehender Leidenschaft.

 Die kleineren Rollen waren mit Ileana Tonca als Tebaldo und mit Jinxu Xiahou als Lerma/Herold gut besetzt; Valentina Nafornita gelang durch das Singen aus dem Luster diesmal ein besonders sphärischer Ausdruck mit überzeugender Klangschönheit.

 Alles in allem ein erfreulicher, aber ungewöhnlicher Opernabend – schön langsam sollte in dieser Serie aber eine ganz normale Vorstellung gelingen.

 Maria und Johann Jahnas

 

 

 

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