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WIEN/ Staatsoper: DON CARLO

23.02.2015 | Allgemein, Oper

WIENER STAATSOPER: 22. 2. 2015:  „DON CARLO“

Unbenannt
Maria Pia Piscitelli. Foto: Wiener Staatsoper/ Pöhn

 Ein Abend der Debüts und Umbesetzungen, und dennoch sehr gelungen. Als Don Carlo sang Stefano Secco wie schon zuvor im Simone den Part für Ramon Vargas und war eine absolute Bereicherung. Seine Stimme ist jetzt wirklich ideal dafür, schöne Momente der Piano und  Phrasierungskunst wechseln mit bestechenden Höhen im kraftvollen Forte. Die Stimme wirkt nie forciert oder überfordert. Den Künstler könnte man öfter hier erleben. Das gilt auch für Maria Pia Piscitelli, die für Anja Hateros die Elisabetta übernahm (CD Einspielung in Rom ist wichtiger). Wie schon als Norma des Vorjahres für die verunfallte Edita Gruberova konnte sie begeistern. Sie sang eine ausgezeichnete enttäuschte Königin, mit viel eigenem impulsivem Spiel in den Duetten mit Carlo, beide Arien gelangen hervorragend. Ihre Vielseitigkeit und auch ihr großes Wissen um die Stile diverser Komponisten kommt da natürlich sehr zum tragen. Als ihre Gegenspielerin Eboli stellte sich Beatrice Uria-Monzon vor. Ein relativ heller Mezzo mit beachtlicher Höhe, ideal für das „Schleierlied“, für das große „Don fatale“  aber doch etwas zu wenig breiter Tiefe. Darstellerisch machte auch sie in der Nichtinszenierung sicher das Beste daraus. Erstmals dabei war Ryan Speedo Green als Frate. Schwarz in schwarz im dunklen Licht, warum keine Grauhaarperücke? Die Stimme besitzt allerdings wenig profunde Tiefe und so ging einiges an der stimmlichen Gestaltung verloren. Neu dabei auch Margret Plummer als Tebaldo. Sie hatte als Stipendiatin der „Opera Foundation Australia“ ihr Hausdebüt. Sie zeigte eine gute tragfähige Stimme, und spielte ihre kleine Rolle sehr sicher.

Ferruccio Furlanetto hatte einen sehr beeindruckenden Abend in der Rolle des gebrochenen Königs. Seine große Szene war stimmlich sicher nicht sein bester Abend, aber an Ausdruck unbeschreiblich unter die Haut gehend. Warum man ihm die Frisur von Rene Pape verpasst hat ist ein ungelöstes Rätsel. Dimitri Hvorostovsky ist ein Posa der feinsten Klinge, lyrisch verträumt und kraftvoll ausbrausend, ein Revoluzzer, der diese Kirchenmacht nie überleben kann. Sein „Per me giunto ..“  und die große Sterbeszene war ein Höhepunkt des Abends. Als Großinquisitor war Eric Halfarson voll „gebrechlicher Bösartigkeit“, da stört auch die etwas schnarrende Stimme nicht allzu sehr. Optisch wurde ich sehr an Hermann Nitsch erinnert.

Als Lerma und Herold ließ Jinxu Xiahou wieder eine sehr vielversprechend schöne Stimme hören, ein Carlo der Zukunft.?  Als Voce del Cielo übernahm Simina Ivan für Ileana Tonca. Sie klang estwas steif, das kann aber auch am schlecht postiertem Verstärker liegen. Als die zu verstoßende Gräfin von Aremberg agierte Fabiola Varga-Postatny.

Marco Armilato am Pult sorgte für einen fast immer einheitlich ausgeglichen Klang zwischen Graben und Bühne. Er ging sehr sensibel auf alle Sänger ein, lässt alle Piani schwingen und kein einziger wurde zugedeckt.

Die Regiearbeit von Daniele Abbado wurde sichtlich immer nur vom Parkett aus gearbeitet, so wirkten die zu Verbrennenden vom Parkett aus gesehen weniger wie „Rostbratwürste“ als von Plätzen ab dem ersten Logenrang.  

Der Chor unter Thomas Lang wie immer ambitioniert und von großer Tonqualität.

Lang anhaltender Applaus dankte den Protagonisten.  

Wolfgang Habermann

              

 

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