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WIEN/ Staatsoper: DON CARLO

03.10.2014 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper. 2.10. 2014– „DON CARLO“

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Adrianna Pieczonka. Foto: Staatsoper/ Pöhn

Wieso ist Roberto Alagna so teuer ? Man muss immer ein Cover mitengagieren. So saß nach den üblen Erfahrungen in der zweiten Vorstellung der Serie auch diesmal Jean-François Borras die gesamte Vorstellung auf Abruf in der Direktionsloge und hörte seinen Kollegen die Partie herunterschreien, als wäre er bereits zu Beginn in die Hände der Inquistion gefallen. Nicht ein klingendes Piano wollte gelingen, allerdings waren die Versuche auch nicht gerade häufig. Es reicht für diese  Partie nicht, wie ein Sturm-und-Drang-Held auszusehen, da ist schon etwas mehr an stimmlichem Ausdruck notwendig.

Wie man eine Partie den eigenen stimmlichen Möglichkeiten anpassen kann, demonstrierte Giacomo Prestia. Er verfügt nicht über die samtweiche Stimme, welche vor allem im Quartett so gut zur Wirkung käme, hat aber vor allem in seiner Arie eine sehr textbetonte, individuelle Gestaltung anzubieten. Auf gestalterische Elemente kann sich George Petean als Posa wirklich nicht stützen und stimmlich schien er vor allem im ersten Bild nicht voll auf der Höhe, konnte sich aber vor allem bei seiner großen Szene im Kerker sehr steigern. Ein solider Grande Inquisitore ist Ain Anger, aber warum Philipp vor ihm warnt, ist nicht verständlich. Der Mann strahlt nicht Furcht und Schrecken aus und jegliche Dämonie ist ihm fremd. Eine interessante, große, schwarze Stimme präsentiert der Mönch von Jongmin Park. Jinxu Xiahou war in der a capella-Stelle des Herold tadellos und steuerte auch die beiden Phrasen des Lerma bei. Adrianna Pieczonka sang in dieser Serie erstmals die Elisabetta in der italienischen Version. Die Stimme ist für diese Partie fast schon ein wenig zu reif. Die schwebenden Piani im Non pianger, mia compagna gelangen nicht ganz so gut, aber in der großen Arie konnte sie überzeugen, ebenso wie im ersten Teil des Duettes, das sie noch allein piano gestalten durfte. Nach dem Einsatz des Partners war es leider nicht mehr möglich. Die junge Russin Elena Maximova hat für die Eboli ein ungewohnt helles Timbre, das bei O mia regina nicht optimal passt. Damit soll die Leistung aber nicht geschmälert werden. Ileana Tonca als Tebaldo war eher unauffällig, während die Stimme aus dem Luster (Entschuldigung: vom Himmel) von Valentina Nafornita auffällig gut klang. Ob die Lautstärke, die Alain Altinoglu teilweise entwickelte, als Hilfsangebot an den Tenor zu verstehen war, sich ab und zu akustisch zu verstecken, ist nicht klar. Jedenfalls wurde es von diesem nicht angenommen, sondern er fühlte sich zu noch mehr Kraftaufwand herausgefordert.

Das Bühnenbild erinnert frappant an die Werbung eines Einrichtungshaus für die Flexibiltät eines Schrankes. Die Seilzüge, die für das zweimalige Anheben der Spielfläche benötigt werden und die die ganze Zeit die Bühne teilen, erinnern daran, woher der Ausdruck „Schnürboden“ stammt. Einzig das Lichtdesign bietet einige bemerkenswerte Lösungen.

Wolfgang Habermann

 

 

 

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