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WIEN/ Staatsoper: DON CARLO

17.10.2013 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER : „DON CARLO“   am 16.10.2013

 Wenn ein Star eine Hauptpartie absagt und das Haus trotzdem eine hervorragende Aufführung präsentiert, so spricht das sicher für das Haus. Die Absage von Anja Harteros mag zwar ihre Fans enttäuscht haben, aber Tamar Iveri war mehr als ein Ersatz, sondern eine wunderbare Interpretin der Elisabetta. Mit ihrer klaren, ruhig geführten Stimme überzeugte sie voll. Die große Arie im vierten Akt zählte zu den Höhepunkten des Abends. Überhaupt hat sich einiges in der Besetzung gegenüber der Premierenserie verändert. Da ist vor allem auch der Rodrigo des Ludovic Tézier zu nennen, der mit herrlich weich strömender Stimme und schier endlosem Atem nicht nur ein wunderbares Kerkerbild sang, sondern den ganzen Abend für sich einnahm. Eine Überraschung bot Violetta Urmana. Nachdem die Sängerin vor ein paar Jahren ins Sopranfach wechselte, bewies sie dass sie auch in ihren früheren Mezzo-Glanzpartien noch mit gleicher Frische (und strahlenderen Höhen) nach wie vor zur Spitze zu zählen ist. Ramon Vargas hatte leichte Anlaufschwierigkeiten, präsentierte sich aber in weit ausgeruhterem Zustand als in den letzten Serien. Als Filippo war in dieser Serie erstmals Feruccio Furlanetto angesetzt (mit einer Pape-Perücke) und bot eine starke Studie des einsamen Monarchen. Wenn er von Zeit zu Zeit leichte Probleme hatte, so gelang es ihm doch gut, diese in Ausdruck umzumünzen. Der Großinquisitor von Eric Halfvarson, der in der ersten Serie wirklich nach 90-jährigem Greis klang, scheint sich einer Verjüngungskur unterzogen zu haben und klingt um 20 Jahre jünger. Im Kabinett lieferte er sich mit Furlanetto ein packendes Stimmduell, bei dem er zumindest in der Tiefe der Sieger blieb. Der Conte di Lerma und der Herold wird nun von Jinzu Xiahou mit schöner Stimme verkörpert, während der Mönch von Dan Paul Dumitrescu, dem Mönch vom Dienst, mit samtenen Bass gesungen wurde. (Übrigens: Auch der Pimen würde in das Rollenbild Mönch passen !) Der quirlige Tebaldo war wieder bei Ileana Tonca gut aufgehoben und Valentina Nafornita ließ ihre Engelsstimme über das szenisch so missglückte Autodafé schweben.

Das spartanische, aber wirkungsvolle Bühnenbild und das gute Lichtdesign würden den Rahmen für eine spannende Regie bilden können, die aber gibt es nicht und so sind die Darsteller hauptsächlich auf sich selbst gestellt. (Warum müssen aber die fünf Seile die ganze Zeit die Bühne in senkrechte Segmente zerschneiden. Sie werden doch nur in zwei Szenen benötigt. War da technisch keine andere Möglichkeit ?)

Am Pult steht wieder Franz Welser-Möst, der wie immer eher die lautere Variante bevorzugt., aber einen spannungsreichen Abend lieferte, woran auch der von Thomas Lang einstudierte Chor seinen Anteil hatte. Dass bei den Massenszenen noch weniger von einer sinnvollen Regie zu merken ist, kann dem Chor natürlich nicht angelastet werden.

 

  Wolfgang Habermann     

 

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