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WIEN/ Staatsoper: DON CARLO

30.05.2016 | Oper

Wiener Staatsoper: „DON CARLO“ am 29.5.2016

Eine sehr gut einstudierte Repertoire Serie

 
Anja Harteros. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Endlich ist  „die“ Anja Harteros in Wien  als Elisabetta zu hören. Sehr gut, aber nicht außergewöhnlich. Die Stimme trägt gut, aber das wusste man ja schon seit ihrem Debüt 1999 als Mimi. Natürlich hat sich die Stimme verändert, nach so langer Zeit, aber man hörte ja sie in diversen Rollen, die sie auch heute noch alle singt. Ihre Elisabeth geht sehr, trotz mancher sehr coolen Passagen, in Richtung der verlorenen Liebe zu Don Carlo, weniger die beleidigte und gekränkte  Königin. Allerdings ist Schiller ja auch der, der alles anders schildert. Das war ein gutes Paar, und Filippo liebte Elisabeth und war über ihren frühen Tod  (im Kindsbett?) fast untröstlich. Später suchte er um die Hand der englischen Elisabeth I. an, allerdings vergeblich. Der Krieg fand statt. Als dieser Filippo II.  ist wieder Rene Pape mit Messerhaarschnitt am Werk. Die große Arie sang er großartig mit viel Stilgefühl und einem sehr schöner Vortrag, ansonsten bleibt dieser Filippo eher blass. Immer ein wenig steif in der Bewegung. Im großen Duett mit Rodrigo siegte absolut dieser. Ludovic Tezier ist ein großartiger Darsteller dieser Schillerfigur, in der er sich der Dichter vielleicht selbst sah. Seine große Szene im Kerker war ein absoluter Höhepunkt dieses Abends. Ramon Vargas als Don Carlo ist darstellerisch immer überzeugend, aber stimmlich immer eine „Zitterpartie“., weil dieser Künstler so mit Herz  singt und dabei in dieser Rolle immer stimmlich so an seine Grenzen geht, dass man das Gefühl hat, hoffentlich geht sich das alles aus. Es lief aber allerbestens. Als unerbittlichen Großinquisitor, blind und über 90jährig war Alexandru Moisiuc mit passender furchterregender Stimme zu hören.

Als Eboli wurde Beatrice Uria – Monzon aufgeboten. Eine eher helle Stimme, starkes dramatisches Vibrato in den Fortehöhen und sehr gepresste Tiefe. Das „Schleierlied“ klang sehr verhalten und das „O don fatale“ wollte auch nicht gerade große Freude bereiten. Als Person in der Darstellung machte sie aber tolle Figur. Als Frate, der nie zum Carlo V. mutiert  klang Jongmin Park absolut königlich! (Carlo V. zog sich in das Kloster San Yuste zurück, wo man über seinen herirrenden Geist munkelte, das übernahm Schiller, und nicht mehr. Auch der Chor singt Carlo il sommo imperatore non è pìu che muto cener, also Karl ist nur noch stumme Asche) Jongmin Park empfiehlt sich jedenfalls als künftiger Filippo. Als Conte di Lerma und  Herold konnte man Carlos Osuna  hören, dessen Stimme immer größer wird, vielleicht könnte sich  einmal eine größere Rolle ergeben.. Die Stimme von Himmel sang Andrea Caroll mit angenehm lyrischer Stimme.

Warum die Herrensolisten der flandrischen Deputierten nicht mehr genannt werden ist nicht ganz verständlich, noch dazu wo sie großartig sangen. Wie auch die übrigen Chormassen herrlich klangen.

Die nicht gerade hübsche Inszenierung von Roberto Abbado hat hervorragende Lichtelemente, die versöhnlicher stimmen, aber die Kostüme von Carla Teti werden dadurch icht schöner. Marco Armiliato feiert sozusagen sein eigenes Festival. Er dirigiert nahezu  jeden Abend und macht ein richtiges Verdifest daraus. Ein Dirigent, der für die Sänger voll da ist, seine auch im Orchester starken und lauten Momente hat, aber nie einen Sänger zudecken würde, es sei, dieser hat etwas zu verbergen.

Elena Habermann        

 

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