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WIEN/ Staatsoper: DOMINGO-GALA

20.05.2017 | Oper

19.05.2017   Staatsoper:  „Domingo-Gala“

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Placido Domingo nach der Vorstellung. Copyright: Wiener Staatsoper/ Ashley Taylor

Längst sind sämtliche Superlative ausgeschöpft (oder wie Dominique Meyer es in seiner herzlichen Schlussansprache formulierte „ausdekoriert“), um den Jahrtausendkünstler Placido Domingo zu würdigen, jetzt geht es vor allem darum, die Länge seiner Karriere an den einzelnen, prominenten Opernhäusern zu dokumentieren. 50 Jahre im Haus am Ring ist eine Leistung, die nicht oft erzielbar ist. Das hängt von so vielen Faktoren und Unwägbarkeiten ab, dass man nur staunen kann, dass bei Domingo eben fast nur die positiven Aspekte zum Tragen kommen. Der hochmusikalische Sänger, der fast immer genau wusste, was er seiner Stimme zumuten durfte, der stets den richtigen Zeitpunkt fand, liebgewordene Rollen abzugeben, ja sogar das Fach zu wechseln, um seinem Publikum noch länger Bestleistungen bieten zu können, das spricht auch für seine hohe Intelligenz.

Solche Galaabende künstlerisch zu bewerten, ist nicht üblich, man erfreut sich an gelungenen Passagen, an einem hervorragend diponierten Orchester, an einem exzellenten Chor und freut sich, dass alle Protagonisten mit großer Freude an dem Fest mitwirkten. Die Programmabfolge war gut gewählt, zuerst wurde der drittee Akt des „Maskenball“ gespielt, in der der Jubilar erstmals den Renato sang. „Eri tu“ ist natürlich für alle Sänger eine gute Gelegenheit, zu brillieren, Domingo sang sie mit viel Temperament und Glaubwürdigkeit. Ana Maria Martinez, Maria Nazarova und Ramon Vargas waren hervorragende Partner. Nach der ersten Pause wurde der zweite Akt der „Traviata“ gegeben, Dmitri Korchak sang den Alfredo und Sonya Yoncheva die Violetta. Giorgio Germont war hier bei Placido Domingo in vertrauter Weise gut aufgehoben. Mein kleiner Einwand ist, dass diese Rolle eher nicht zu seinen besten Baritonpartien zählt. Es ist vielleicht nur ein Gefühl, aber irgendwie berührt mich seine große Arie nicht so sehr wie andere Partien.

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„Tag der Blumen“ für Domingo – die Floristen feierten einen zweiten Valentinstag. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Der Höhepunkt des Abends war aber dann der letzte Akt aus „Simon Boccanegra“. Hier schöpfte Domingo aus seiner großen schauspielerischen Kraft ubnd seiner wunderbaren Stimme das Optimum aus, das hier möglich ist. Wie er den sterbenden Dogen spielte und sang, wie er sich mit seinem Erzfeind Fiesco versöhnte und wie er dann mit letzter Kraft Gabriele Adorno zum Dogen designierte, war Oper vom Besten. Selbstverständlich jubelte das begeisterte Publikum lange und stürmisch, die Dankesrede Domingos war sichtlich unter großer seelischer Bewegung an seine zahllosen Fans gerichtet, welche mit Freude hören durften, dass er seine Karriere als Sänger bei guter gesundheitlicher Verfassung fortsetzen werde. Sehr typisch für seine stets selbstkritische Einstellung waren auch seine Dankesworte an den exzellenten Marco Armiliato – auch bei dieser Gala bewies dieser, einer der besten Dirigenten im italienischen Fach zu sein -, als er dessen hilfreiche Unterstützung an Tagen mit nicht ganz optimaler stimmlicher Disposition rühmte.

Man freut sich auf weitere Opernabende mit Placido Domingo und hofft, ihn noch oft in Bestform erleben zu dürfen. Ob sich der Sechziger noch ausgehen wird? 

Johannes Marksteiner

 

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