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WIEN/ Staatsoper: DIE ZAUBERFLÖTE oder „Die Zauberlifte“

08.01.2015 | Oper

Wiener Staatsoper: Die Zauberflöte oder Die Zauberlifte. 7. Januar 2015

 Der Bühnenlift spielt in dieser Serie eine wichtige Rolle und es wurde die Handlung sogar um eine neue Figur erweitert: Der „zweite Sprecher“ – er erklärt uns immer, wie viele Damen diesmal im Lift stecken und dass die Szene wiederholt wird. Gestern waren es zwei Damen im zweiten Akt.

Nachträglich sind wir erleichtert, dass Chowanschtschina – die russische Paternosteroper – offensichtlich von einer anderen Aufzugfirma betreut wurde. Doch nun, nach diesem Ausflug ins Reich der Technik, zurück zur Musik:

 Das Highlight des Abends erlebten wir gestern aus dem Orchestergraben. Ein gut gelaunter, kompetenter Adam Fischer animierte das Staatsopernorchester zu einer perfekten Mozart – Interpretation, die keine Wünsche offen ließ. Die sinfonische Ausarbeitung der Ouvertüre stellt eine – für uns – ungewohnte, aber durchaus schlüssige Sichtweise dar und wird detailreich und leidenschaftlich dargeboten. Mir einem derart charismatischen Kapellmeister macht Mozart auch in Wien viel Freude.

 Auf der Bühne konnte diese Ausnahmequalität zwar nicht erreicht werden – aber wir erlebten einen guten Repertoireabend.

 Ein Papageno mit der Spielfreude eines Markus Werba ist schon eine halbe „Bank“ für die Zauberflöte; dass er den etwas tölpelhaften Naturburschen (ohne zu outrieren) bis an die Grenze zum Klamauk auslebt, erzeugt gute Laune – dass er ihn noch dazu passabel singt, macht Freude.

 Benjamin Bruns ist ein ebenbürtiger Begleiter auf dem Weg durch die Unbillen der Handlung. Sein Tenor ist klangschön und beweglich für einen guten Tamino; er fügt sich auch darstellerisch gut in die manchmal schon sehr schräge Inszenierung ein. Eine angenehme Erscheinung stellte auch Valentina Nafornita – als Einspringerin für die erkrankte Genia Kühmeier – dar. Sie gestaltete eine selbstbewusste, auch stimmlich sehr präsente Pamina und wir hatten den Eindruck, dass sie sich beim Polizisten-Ballett bis an den Rand eines Lachkrampfes amüsierte. Bei ihrem „Abflug“ mit den drei Knaben – wieder sehr gut harmonierende und schön singende Wiener Sängerknaben – hatten wir in Anbetracht der fragwürdigen Bühnentechnik ein etwas mulmiges Gefühl.

 Die Vertreter von Gut und Böse gehörten diesmal leider nicht zu den erhofften Leistungsträgern.

Iride Martinez sang richtig und streckenweise auch schön, konnte das Haus aber nicht aussingen und vermittelte auch zu keiner Zeit die Bedrohlichkeit einer „sternflammenden Königin“ – es wurde ihr von der Regie aber auch nicht leicht gemacht. Franz-Josef Selig, auf den wir uns wegen seiner eindrucksvollen Interpretationen des Gurnemanz und von König Marke sehr gefreut hatten, blieb als Sarastro viel schuldig. Es hat sich schon in der Mittellage ein starkes Vibrato gebildet und die Tiefe war nur sehr eingeschränkt vorhanden – wie hoffen, dass das eine Indisposition wegen der belastenden Witterung war.

 Gesanglicher Höhepunkt des Abends war diesmal Jochen Schmeckenbecher als Sprecher und 2. Priester. Sein gepflegter Bass strahlt eine natürliche Autorität aus – eine große, schöne, gut geführte Stimme! Benedikt Kobel ergänzte gut als 1. Priester und Thomas Ebenstein sang einen sehr guten Monostatos, neigte darstellerisch aber etwas zur Übertreibung.

 Annika Gerhards entpuppte sich als großes komödiantisches Talent und sang die Papagena mit berührender Anmut – ein echter Gewinn fürs Ensemble. Die drei Damen – Regine Hangler, Ulrike Helzel und Carole Wilson – waren bei dieser Vorstellung trotz der technischen Irritationen durchaus „rollendeckend“. Eine Visitenkarte für das hervorragendes Ensemble der Wiener Staatsoper waren sie allerdings nicht.

 Marian Talaba und Janusz Monarcha agierten als Geharnischte im Outfit von Chicago 1930; aber das war nicht das einzige unverständliche Detail dieser sehr gewöhnungsbedürftigen Inszenierung von Patrice Caurier. Das Fehlen eines Bühnenbildes einerseits und gelungene Regieeinfälle (z.B. das Tierballett) andererseits bilden einen inhomogenen Eindruck und lassen uns etwas verstört zurück.

 Maria und Johann Jahnas

 

 

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