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WIEN/ Staatsoper: DIE WALKÜRE – erster Ring-Zyklus, erster Tag

02.05.2017 | Oper

WIEN/ Staatsoper: DIE WALKÜRE am 1.5.2017

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Tomasz Konieczny, Petra Lang. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Wieder einmal hatte man das Glück, den klassischen Wagnerklang hören zu dürfen, den Peter Schneider mit dem philharmonischen Staatsopernorchester erzeugte. Ganz in der Tradition von Furtwängler, Knappertsbusch, Keilberth, Sawallisch bis Levine, Barenboim und Thielemann (Karajan war ein Sonderfall, wie in allem) floss der Klang breit, getragen und dunkel (die hellen, silbrigen Philharmoniker, die in Hochform waren, hatten in der Tat eine dunklere Farbe als gewöhnlich). Die Musik hatte eine besondere Binnenspannung, die man mit Worten schwer erklären kann. An den dramatischen Stellen wie dem Beginn des 2. Aufzugs, dem Walkürenritt oder beim Feuerzauber zog Schneider gewaltig an, so dass die Musik förmlich explodierte. In den kontemplativ- lyrischen Stellen, wie bei der Siegmund Erzählung des 1.Aufzugs oder bei der Einleitung zu den Winterstürmen waren die etwas langsameren Tempi voll berechtigt, weil der Melodienfluss ausschwingen kann und einen besonderen Reiz entfaltet. Es hieße Eulen nach Athen tragen, darauf hinzuweisen, welch hervorragender Sängerbegleiter der Dirigent ist. Da ihm eine durchmischte Sängerbesetzung zur Verfügung stand, kam diese Fähigkeit den Stimmen besonders zugute.

Robert Dean Smith besitzt eine solide baritonale Mittellage. Hierauf basierend erreicht er sicher die wenigen nicht sehr extremen Höhen der relativ tief angelegten Partie des Siegmund. Dass die Wälse-Rufe nicht nach Kampfsport klangen, störte nicht. Sein sensibles Spiel überzeugte. Als seine Schwester und Braut bezauberte Camilla Nylund. Wie sie die Sieglinde in ihrem Leid und ihrer Freude anlegt, erfreute die Herzen des Publikums. Ihr inzwischen enorm gewachsener jugendlich-dramatischer Sopran ist in allen Lagen gleich gut durchgebildet, wobei die jubelnden Höhen, die ohne Registerbruch erreicht werden, besonders beeindrucken. Der vertiefte Ausdruck krönt ihre wunderbare Leistung. Und doch beherrschte Ain Anger als abgrundtief  böser Hunding den 1. Aufzug. Vom 1. Auftritt an verbreitet er Furcht und Schrecken: Ein Macho, der auf seine Ehefrau keine Rücksicht nimmt, sie sexuell aggressiv bedrängt und selbst den tapferen Siegmund erschreckt. Die dunkle, düstere Bassstimme setzt er mit einem gefährlichen Ausdruck ein, den man so eigentlich bisher kaum gehört hat.                                                                                                                                 

Mihoko Fujimura als Fricka zeigte einen satten, vollen, vielfarbigen Mezzosopran, den sie mit Ausdruck führt. Ihr Spiel zeigte eine vornehme, erhabene Göttergattin, die sich mit ihrer Persönlichkeit gegen Wotan durchsetzt. Nicht ganz unproblematisch Tomasz Konieczny in dieser Rolle. An sich prädestiniert ihn die große und kräftige Stimme für Heldenbaritonpartien, auch wenn es ihr an einer gewissen luxuriöseren und geschmeidigeren Färbung fehlt. Entscheidend gemindert wird die stimmliche Leistung durch die offenbar nicht mehr abzustellenden Vokalverfärbungen, die bei Diphtongen besonders stark zu Tage treten. Dabei stellt er einen autoritativen Göttervater auf die Bühne, dem es auch nicht an einer gewissen Prise Ironie im Zusammenspiel mit Fricka und Brünnhilde mangelt. Petra Lang gibt eine trotzige und widerspenstige Wotanstochter, die auch schon mal mit den Füssen stampft, wenn es nicht so läuft, wie sie es will. Dass die ehemalige Mezzosopranistin in der Mittellage und der Tiefe die größeren Schwierigkeiten hat (hier klingt die Stimme verquollen), erstaunt. Die Höhe ist freier und offener, wenn sie auch nicht überwältigt. Eine deutschsprachige Sängerin mit einer so undeutlichen und kaum zu verstehenden Aussprache, dürfte eine Seltenheit sein. Die Walküren klangen etwas schrill und wenig homogen (Regine Hangler, Caroline Wenborne, Simina Ivan, Margret Plummer, Ulrike Helzel, Monika Bohinec, Bongwine Nakani und Rosie Aldridge).

Gerecht verteilter Beifall für die Sänger und ein Bravo-Orkan für den Maestro, von dem wir hoffen, noch viele solche Abende hören zu können.  

Johann Schwarz

 

 

 

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