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WIEN/ Staatsoper: DIE TOTE STADT von Erich Wolfgang Korngold. Licht und Schatten

21.01.2017 | Oper

WIENER STAATSOPER, 20. Jänner 2017

Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt

Licht und Schatten!

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Camilla Nylund. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Erfreulich, dass Klaus Florian Vogt trotz seiner erst kürzlich überstandenen Erkältung die Wahnsinnspartie des Paul in Erich Wolfgang Korngolds spätromantischer Oper Die tote Stadt auch diesmal singen konnte. Natürlich merkte man, dass der Tenor mit der hellen, kopfigen und sehr markanten Stimmfärbung nicht ganz topfit war, aber ein leicht gehandicapter Vogt ist in dieser Partie sicherlich immer noch die bessere Wahl als viele andere Kollegen. Der Finne Mikko Franck machte es ihm am Pult des Wiener Staatsopernorchesters aber auch nicht gerade leicht. Denn mit einer gewaltigen Einheitsdynamik deckte er die oft weit hinten postierten Solisten so zu, dass es einem in den Ohren schmerzte. Ein Blick in den Graben zeigte zwar, dass Franck sich mit seinen Anweisungen zwar um Differenzierungen bemühte, das Orchester ihm aber nur in den seltensten Fällen folgte – wahre Harmonie war da nicht zu spüren.

Völlig unbeeindruckt von den orchestralen Klangfluten agierten hingegen Camilla Nylund (Marie/Marietta) und Adrian Eröd (Frank/Fritz). Die Finnin befindet sich derzeit offensichtlich im Zenit ihrer Karriere. Ohne Anstrengung bewältigte sie alle Höhenflüge der Partitur und zeigte eine ebenso eindrucksvolle Rollengestaltung. Eine Besucherin beim Verlassen des Opernhauses: „Gott sei Dank sind heute die Sopranistinnen wirklich auch gute Schauspielerinnen und stehen nicht mehr wie früher als Tonnen in der Gegend herum!“ Wie gesagt, diese Meinung stammt von einer soignierten Dame!

Was Wien an Eröd hat bewies dieser mit perfekter Diktion und seinem warmen fließenden Baritontimbre – eine einzige Freude ihm zuzuhören. Nicht ganz so glücklich konnte man mit Monika Bohinec als Brigitta sein, aber eine Elisabeth Kulman als Rollenvorgängerin ist halt schwer zu toppen. Mariettas Truppe schlug sich durchaus achtbar: Simina Ivan, Miriam Albano, Joseph Dennis, Franz Peter Károlyi und Thomas Ebenstein.

Sollten es die zweistelligen Minustemperaturen gewesen sein oder auch der geringere Bekanntheitsgrad der Oper? Tatsache war jedenfalls, dass knapp 50 (!) Parkettsitze nicht belegt waren. Am Ende berechtigter Jubel für eine gehobene Repertoirevorstellung, der von einem einsamen Buhrufer irritiert wurde. Wem diese Missfallenskundgebung galt, konnte nicht so eindeutig festgestellt werden.

Ernst Kopica

MERKEROnline

 

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