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WIEN/ Staatsoper: DIE FLEDERMAUS

02.01.2012 | KRITIKEN, Oper

DIE FLEDERMAUS“- ALLES ANDERE A LS MAKELLOS ( 1.1.2012)

In der Zeitung „Die PRESSE“ vergibt  Wilhelm Sinkovicz für die  Wiederaufnahme der “Fledermaus” von Johann Strauss am Sylvesterabend die Note „makellos“, im Kurier hat man  hingegen das Adjektiv „flügellahm“ parat. Nach dem Besuch der Reprise am 1.Jänner (samt zeitweiligen Vergleich mit der live-TV-Übertragung  der Vorstellung vom 31.12. auf arte) liegt mein subjektives Empfinden zwischen diesen beiden Extremen. Das  vorwiegend touristische (und auffallend junge) Publikum hält sich hörbar  mehr an das Großformat. Die Begeisterung – auch am 1.Jänner – wächst im Laufe des Abends, zuletzt wird gejohlt, gepfiffen und heftig Bravo geschrien. Und Franz Welser-Möst wird gefeiert wie ein Pop-Star. Kurzum: Die Fledermaus liegt dem „Generalmusikdirektor“ – er legt schon die Ouvertüre mit extremen Grund-Tempo an, der Klang ist transparent, die Wirkung enorm – fast ist man an den „Fieberrausch“ von Carlos Kleiber erinnert.

Leider sind  dann die meisten Sänger mit diesem Konzept überfordert. Und für mich wird immer mehr klar: Franz Welser-Möst hat keine ideale Hand bei  Besetzungen. Kurt Streit ist ein großer Sing-Schauspieler und hat im Theater an der Wien bewiesen, was in ihm steckt. Was er allerdings gar nicht ist – ein Bonvivant, ein Charmeur,  ein „Schlawiener“. Das waren früher Eberhard Waechter und später Bernd Weikl. Und heute müssten sowohl Adrian Eröd wie Markus  Werba der ideale Bariton-Eisenstein sein und beide planen auch das entsprechende Rollendebüt. Aber  an der Wiener Staatsoper plagt sich Kurt Streit  mit den überzogenen Tempi von Franz Welser-Möst herum und hat auch keine ideale Rosalinde zur Seite: Weder Michaela Kaune  noch Ildiko Raimondi kommen mit den Tücken der Rolle (etwa in den Ensembles des 1.Aktes oder mit dem Schluss des Uhren-Duetts) zurecht. Mir ist dann die feminine Eleganz von Ildiko Raimondi lieber als die schrille Art der deutschen Sopranistin, die gar nicht in einem Atemzug mit einer Hilde Güden oder Gundula Janowitz genannt werden darf. Und heute: da gäbe es Silvana Dussmann – oder (man wird ja noch träumen dürfen) Anna Netrebko!

Immerhin war die Adele zweimal außergewöhnlich . Zum Jahreswechsel war Daniela Fally ein hinreißend-komödiantisches „Stubenmädel“ und anstelle von Chen Reiss überzeugte zum Jahresbeginn Ileana Tonca als Adele. Ihre beiden Arien wurden zum Höhepunkt der Vorstellung vom 1. Jänner, in der auch noch der Orlofsky ausgetauscht wurde. Stephanie Houtzeel, seit der Katja so etwas wie Publikumsliebling, war allerdings zu jung, zu sympathisch, um den russischen Gastgeber wirklich  glaubhaft darzustellen. Immerhin. Sie zählt  dennoch zur  Haben-Seite einer Vorstellung, in der auch Markus Eiche als Frank mit Belcanto-Qualitäten aufwartete, Rainer Trost war eine fescher Alfred  mit Schmelz in der Stimme und Alfred Sramek kommt schon nahe an die Vorgänger-Legende  Erich Kunz heran. Skurril und doch menschlich.Neu auch Peter Simonischek als Frosch – ein sehr versoffener „Amtsdiener“ mit steirischem Zungenschlag und einigen neuen „Sagern“ ( es wird alles immer Grasser). Und Peter Jelosits ist ein ausgezeichneter „Stotterbock“Dr.Blind. Bleibt noch die engagierte, „resche“ Ida von Lydia Rathkolb zu erwähnen. Alles in allem: ein interessanter Abend, aber alles andere als maklellos.

Peter Dusek

 

 

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