Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: DIE FLEDERMAUS – letzte Vorstellung der Serie

07.01.2013 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper: DIE FLEDERMAUS. Letzte Vorstellung der Serie am 6.1.2013

Nach der musikalischen Drangsal beim gescheiterten Versuch von Marc Minkowski mit den Barockspezialisten Les Musiciens du Louvre Grenoble im Theater an der Wien Wagner zu spielen, haben wir uns – quasi als Wiedergutmachung für entgangene „Wagner-Euphorie“ – mit den berauschend interpretierten Melodien der Fledermaus in der Wiener Staatsoper verwöhnt.

 Bei der Ouvertüre war dann die Welt wieder in Ordnung – die Philharmoniker waren unter der erfahrenen Leitung von Stefan Soltesz noch in „Neujahrskonzert-Spiellaune“. Spätestens bei „Mit Donner und Blitz“ wird die ausgelassene, gute Laune im Haus spürbar; beim Einsatz der drei Posaunen und der zwei Trompeten hat man den Eindruck, dass auch der Kapellmeister zum begeisterten Zuhörer wird. Hier hört man, wie zeitgemäßes Blech klingen kann und die Interpretation mit Originalklang-Instrumenten nicht automatisch zu einem begeisternden Ergebnis führen muss. „Schick und In“ sein ist nicht alles. Die Hysterie bei den historischen Instrumenten relativiert sich, wenn man bedenkt, dass die Geige von Konzertmeister Honeck zu Wagners Zeiten bereits über hundert Jahre alt war. Offensichtlich liegt der Erfolg in der klugen Mischung.

 Die begeisternden Klänge aus dem Orchestergraben waren bei dieser Fledermaus nicht der einzige Genuss – besonders überzeugte die gute Ensembleleistung und die spürbare Spielfreude ohne Schwachpunkt.

 Der absolute Höhepunkt war die Adele der Daniela Fally. Sie ist derzeit auf einer begnadeten Stufe ihrer beeindruckenden Laufbahn – momentan gelingt ihr einfach alles, was sie anpackt. Ildiko Raimondi ist eine bewährte Rosalinde (wir haben sie exakt vor zehn Jahren erstmals in dieser Rolle erlebt), sie überspielt im Csardas sehr routiniert, dass sie keine Altistin ist – die hohen Töne sind sowieso eine reine Freude.

 Keinerlei Probleme mit der tiefen Lage hat Zoryana Kushpler als Prinz Orlofsky. Darstellerisch bleiben keine Wünsche offen, uns gefällt sie allerdings in den besinnlichen Momenten (Brüderlein und Schwesterlein) noch besser als in den Rennomierarien.

 Die Herren bieten ein Feuerwerk der Spielfreude und solide sängerische Leistungen. Markus Werba – der geschätzte Eisenstein und Nikolay Borchev, der „Münchner“ Dr. Falke – blödeln sich ohne Peinlichkeiten durch die Handlung. Herwig Pecoraro läßt als Alfred heldentenorale Ausbrüche hören und feiert das Wagner/Verdi – Jahr aus der Gefängniszelle.

 Der Direktor Frank ist als echtes „Bühnentier“ auch gesanglich eine Edelbesetzung und macht deutlich, was mit seiner Eigenbeschreibung „Basssoubrette“ gemeint ist. Vom Klingsor bis zum Direktor Frank auf höchstem Niveau – Respekt!

Eine Empfehlung zwischendurch: Bevor man sich Herrn Nikitin in irgendwelchen großen Partien in der Staatsoper wünscht, sollte man sich aufmerksam die Herren Bankl, Coliban, Unterreiner und einige mehr anhören!

 Als kongenialer Sketchpartner Frosch hat sich Peter Simonischek – soweit das bei seinen Rollenvorgängern möglich ist – eine etwas andere, erdigere Interpretation zu eigen gemacht und ist seinerseits auf dem Weg, eine Fixgröße zu werden.

Die kleineren Rollen sind mit Lydia Rathkolb (Ida), Thomas Ebenstein (Dr. Blind) und Csaka Markovits (Ivan) sehr gut besetzt und tragen viel zur unbeschwerten Unterhaltung bei.

Die Fledermaus zum Jahreswechsel ist ein schöner Brauch, der bei uns seit vielen Jahren verlässlich für gute Laune sorgt.

 Maria und Johann Jahnas

 

 

Diese Seite drucken