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WIEN/ STAATSOPER: DIE FEEN – Kinderoper im Kinderopernzelt

03.03.2012 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: Die Feen: A1-Kinderopernzelt Wien, Generalprobe, 3.3.2012

 Noch jedes Mal habe ich beglückt und mit heiterem Gemüt eine Aufführung im Kinderopernzelt verlassen – und auch dieses Mal war es so. Und um das Resümee gleich an den Anfang zu stellen – ich liebe diese Produktion und hoffe, dass ich noch öfters die Gelegenheit habe, dieses Werk zu genießen.

 Im großen Haus wurde diese Jugendoper Richard Wagners bis jetzt nur konzertant aufgeführt und auch der Meister selbst hatte niemals die Gelegenheit, sein Werk, das er mit 21 Jahren komponierte, auf der Bühne zu sehen. Erst einige Jahre nach seinem Tod gelang es zur Aufführung, hat sich allerdings niemals wirklich im regulären Spielbetrieb durchgesetzt.

 Für die Kinderoper Köln hat seinerzeit Marc-Aurel Floros die Oper adaptiert und die Handlung besonders auf die Liebe zwischen den beiden Hauptpersonen, Arindal und Ada, zusammengestrichen. Die grausamen Elemente, wie zum Beispiel ein vorgetäuschter Kindermord, wurden ausgespart, sodass eine märchenhafte, aber doch auch gegenwartsbezogene Fassung in der Länge von 50 Minuten entstanden ist. Daniela Baumann zeichnet für die Textfassung verantwortlich.

 Regisseur Waut Koeken, der erstmals an der Staatsoper eine Produktion leitet, wollte zeigen, dass das Feenreich ein imaginierbares Land ist, das für jeden erschaubar ist, der die Fähigkeit zur Phantasie verloren hat (dies wird im wirklich gut gemachten Begleitheft geschrieben). Dass er als Handlungsort gleich eine Müllhalde ausgewählt hat, ist am Anfang zwar verstörend, aber wenn man genauer hinsieht erkennt man die Liebe zum Detail. Die große Blechdose im „Coca Cola“-Design ziert zum Beispiel die Aufschrift „Liebe“, auch die „Golden Arches“ werden umbenannt. Die Auftritte der einzelnen Akteure sind mit viel Liebe gestaltet. Die Kostüme (Carmen van Nyvelseel) sind für die Elfen romantisch gehalten, die Menschen, die sich ja auf der Jagd bzw. im Krieg befinden, ähneln GI-Uniformen, allerdings dürfen auch hier Armbrust, Schwert und Ritterrüstung nicht fehlen.

 Einer der vielen Vorteile dieser Aufführungen im intimen Rahmen ist der, dass man ganz nahe den Künstlern sitzt und dadurch auch ihr Mienenspiel genau mitbekommt. Die Künstler wieder haben direkten Kontakt zum Publikum und bekommen auch spontanes Feedback durch die Kinder (als Erwachsener hat man leider diese Spontaneität verloren).

 Die Premierenbesetzung war aufgeboten und Gergely Nemeti bewies, dass ein Fachwechsel ins Heldenfach nur noch eine Frage der Zeit ist. Seine Stimme klingt schon sehr metallisch, und wie schon im „Aladdin“ merkte man, wie gut er mit Kindern umgehen kann. Schade, dass er das Ensemble bald verlässt – es bleibt zu hoffen, dass er bald mit neuen, größeren Rollen wieder einmal den Weg an die Staatsoper findet. Als Arindal ist er wieder der große, romantische Held mit viel, viel Herz.

Ob als Waldvogel oder Fee – Daniela Fally ist ebenfalls ein Glücksfall für die Kinderproduktionen. Immer kokett und ganz reizend zum Anschauen war es interessant, sie in einer etwas dramatischern Partie zu hören. Sicher, das Zelt ist nicht groß, aber ich mochte ihre Interpretation der Ada. Für das große Haus ist sie aber zur Zeit in ihrem aktuellen Fach perfekt besetzt.

 Obwohl sie nur die kleinere Rolle der Fee Zemina verkörperte muss ich Donna Ellen aus dem Ensemble hervorheben. Sie schäkerte mit den kleinen Zuschauern, hielt dauernd Augenkontakt zum Publikum und sprühte direkt vor Spielfreude. Es gibt kaum eine Sängerin, die mit ihrer menschlichen Wärme so geeignet ist, den Kleinen den Respekt vor dem Genre Oper zu nehmen und sie quasi einlädt, Teil des Ganzen zu werden.

 Monica Bohinec ergänzte unauffällig als Farzana. Auch Caroline Wenborne machte es sichtbar Spaß, als Lora (=Schwester des Arindal) in der Armee-Montur durch die Gegend zu stapfen und schlussendlich ihren Liebsten (Gunther) zu finden. Dieser Gunther wurde von Michael Roider dargestellt und Hans Peter Kammerer sang den Gernot sehr gut. Beim Spiel kommt ihm wahrscheinlich zu Gute, dass er als Papageno etliche Erfahrungen in Bezug auf Spielopern gemacht hat. In der Doppelrolle Feenkönig/Harald war Sorin Coliban schönstimmig und ungemein würdig!

 Die Orchesterbesetzung besteht aus B-Klarinette, F-Horn, Schlagzeug, Klavier und Streichquintett. Extra für diese Produktion wurde auch um eine Harfe ergänzt. Studienleiterin Kathleen Kelly dirigierte und war mit viel Freude am Werk. Janko Kastelic, der für die musikalische Einstudierung verantwortlich zeigt, soll auch nicht unerwähnt bleiben.

 Man kann sich wirklich verzaubern lassen – wenn man daran glaubt, dass die Macht der Liebe vieles geschehen lassen kann, ein innig gesungenes Liebesbekenntnis aus einer zu Stein erstarrten Fee wieder ein lebendiges Wesen machen kann, ja dann ist man im Kinderopernzelt absolut richtig!

 Kurt Vlach

 

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