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WIEN/ Staatsoper: DER ROSENKAVALIER – Rose sticht im Rosenkavalier

27.11.2014 | Oper

Wiener Staatsoper, Der Rosenkavalier

26. November 2014  Rose sticht im Rosenkavalier

Der_Rosenkavalier_Rose
Peter Rose. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

 Die meisten Erwartungen weckte bei dieser Rosenkavalier-Repertoire-Serie sicherlich Kirill Petrenko, der das Strauss’sche Meisterwerk zum ersten Mal am Haus am Ring dirigierte. Meiner Meinung nach wurde ihm die Show aber eindeutig von Peter Rose gestohlen, der einen Baron Ochs auf Lerchenau sang, wie man ihn heute weltweit wahrscheinlich nicht oft dargeboten bekommt. Mit wunderbarer Diktion strafte er alle Kritiker Lügen, die sein unzureichendes Wienerisch bemängelten. Und auch von einer fehlenden Tiefe konnte ich nichts bemerken, herrlich obertonreich kamen die orgelnden Passagen, spielerisch phrasierte er die hohen Stellen („…und hat noch einen andern Schick…“). Dass der Jubel des Publikums am Ende bei Petrenko noch größer war, kann Roses Leistung aber nicht schmälern. Die Sympathiekundgebungen für Petrenko waren aber auch nicht unverdient, denn er entlockte dem Wiener Staatsopernorchester (ein dickes Extralob wieder einmal an Konzertmeister Rainer Küchl für sein Finale I) wirklich alle feinen Nuancen der Partitur, die große Linie blieb ein wenig auf der Strecke. Interessant der Vergleich mit Franz Welser-Möst, der für sein forsches Forcieren der Dynamik einst gescholten wurde, bei Petrenko jubelte man über manchmal extreme Phonzahlen.

 Dies hatte auch zur Folge, dass im ersten Akt Soile Isokoskis lyrischer Sopran als Marschallin schon des Öfteren im Klanggewühl unterging. Wie überhaupt die Stärke der Finnin erst im dritten Akt so richtig zum Vorschein kam, als sie auch den Abschied von Rofrano darstellerisch berührend vermittelte. Für den jungen Grafen gab es einen „rosa Zettel“, denn Alice Coote musste krankheitsbedingt absagen. Sophie Koch bewies als Einspringerin, dass der Octavian wohl „ihre“ Partie ist. Im Gegensatz zum Komponisten in der „Ariadne“ liegt ihr diese Tessitura wesentlich besser und als Mariandl im Gasthaus ist sie sowieso unerreicht. Wesentlich weniger liegt Chen Reiss die Partie der Sophie. Die Solisten, die in den Uralt-Bühnenbildern der Schenk-Inszenierung zu agieren haben (von einer Inszenierung kann man beim besten Willen nicht mehr sprechen), sind ja weitgehend auf sich allein gestellt und da müsste die Sopranistin mehr Profil zeigen. Ihre Stimme fügt sich in den Ensembles bestens ein, solistisch könnten die Spitzentöne noch silbriger klingen, sprich weniger Druck wäre mehr.

 Überraschend dezent agierte Clemens Unterreiner als Faninal, das Ensemblemitglied übertrieb in der Vergangenheit manchmal bis zur Outrage, diesmal hätte es aber ein wenig mehr sein können. Doch stimmlich ließ er speziell in Akt 3 aufhorchen, als er seinen Bariton wunderbar zur Geltung bringen konnte.

 Bei der Audienz der Feldmarschallin ließ Benjamin Bruns mit einem stets auf Linie singenden Sänger im wahrsten Sinne aufhorchen, von ihm ist noch einiges zu erwarten. Etwas durchwachsen präsentierte sich der Rest des Ensembles (Regine Hangler als Leitmetzerin,

Thomas Ebenstein als Valzacchi, Carole Wilson als Annina und Alfred Šramek als Polizeikommissar und Notar), hervorzuheben wären jedoch Herwig Pecoraro als Wirt und Gerhard Reiterer als Haushofmeister bei der Feldmarschallin. Weiterhin ein einziges Ärgernis sind die Massenszenen, so kann man im Jahr 2014 nicht mehr auf einer Opernbühne agieren, das wirkt heute nur mehr wie eine einzige Persiflage! Auch wenn ich mich da in die Brennessel setze: Über einen neuen Rosenkavalier könnte man doch irgendwann nachdenken! Erstaunlich die gelichteten Reihen beim Schlussapplaus, der Galerie-Stehplatz schien verwaist, aber der Jubel für Sänger, Orchester und Dirigenten war (zu Recht) gewaltig!

 Ernst Kopica

 

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