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WIEN/ Staatsoper: DER ROSENKAVALIER

29.11.2014 | Allgemein, Oper

WIEN/Staatsoper: DER ROSENKAVALIER

am 28.11. 2014 (Helmut Christian Mayer)

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Alice Coote (Octavian). Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

 Als „Dirigent des Jahres“ von einer deutschen Fachzeitschrift ausgezeichnet zu werden, das ist schon was. Aber spätestens jetzt weiß man warum, denn Kirill Petrenko konnte die hoch geschraubten Erwartungen in Wien restlos erfüllen. An der Wiener Staatsoper konnte man den GMD der Bayrischen Staatsoper München, der letzten Sommer auch wieder Wagners „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth bravourös dirigierte, in Richard Strauss Rosenkavalier erleben: Mit ungemeiner Energie und Körperspannung, enormem „Zupack“, aber auch großer Detailverliebtheit und Sensibilität ließ er im Orchester der Wiener Staatsoper eine ungemein reichhaltige Palette an Schattierungen, was Farben, Dynamik und Tempi betraf, erklingen und legte den Sängern einen schillernden, silbernen Klangteppich zu Füßen. Er schien vieles der Partitur neu durchleuchtet zu haben und heimste auch den größten Jubel ein! Man würde ihn gerne öfters hier am Haus am Ring sehen.

„Hab mir´s gelobt….!“ Mit diesen berührenden  Worten entlässt die reife Feldmarschallin ihren Geliebten Octavian aus ihrer Liebesbeziehung.  Durch ihren Verzicht beweist sie unglaubliche,  menschliche Größe und ermöglicht die Liebe zweier junger Menschen. All dies und das Bewusstsein dieser irdischen Vergänglichkeit vermochte Soile Isokoski in ihrem Gesang ausdrücken. Sie war eine gefühlvolle und innige Feldmarschallin, eine ihrer Paraderollen, mit edlen Spitzentönen und immer noch blühendem und jugendlich klingenden Sopran. Extrem burschikos angelegt war der Octavian der Alice Coote. Der stämmigen Britin nimmt man den 17-jährigen, jugendlichen Liebhaber jedoch nicht ab. Ihren soliden, eher blassen Gesang, ihr Mezzo klingt in der Mittellage recht schön, in der Höhe etwas blechern, kann sie durch spielerischen Einsatz, sie gibt sogar dem Ochs eine Popoklaps retour, einigermaßen wettmachen. Die für die erkrankte Chen Reiss eingesprungene aber noch selbst rekonvaleszente Daniela Fally, sie ließ sich sicherheitshalber wegen einer abgeklungenen Grippe ansagen, sang die Sophie empfindsam mit glockenreinem, leichtem Sopran. Wunderbar vollendet und mit Silberklang erklang das Schlussterzett. Peter Rose war ein ganz exquisiter, ungemein bühnenbeherrschender und spielfreudiger Baron Ochs von Lerchenau, der nur kleinere Defizite im Kelleregister aufzuweisen hat und dem es etwas an wienerischer Diktion mangelt. Clemens Unterreiner singt den Faninal nun schon einige Zeit sehr gut und hielt sich diesmal szenisch erstaunlich zurück. Benjamin Bruns gab einen idealen Sänger voll schmelziger Italianitá. Das unverwüstliche Urgestein des Hauses Alfred Sramek war ein idealer Notar und Polizeikommissar. Weiters noch herzuheben seien Thomas Ebenstein als Valzacchi, Carole Wilson als Annina und Herwig Pecoraro als Wirt.

Immer noch funktioniert die traditionelle Uralt- Inszenierung von Otto Schenk, die ja kürzlich vom Regie-Altmeister aufgefrischt wurde und wo sich alle Protagonisten recht gut zurechtfinden. Großer Jubel!

 Helmut Christian Mayer

 

 

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