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WIEN/ Staatsoper: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – zum Teil neu besetzt

20.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper: „DER FLIEGENDE HOLLÄNDER“-  ZUM TEIL NEU BESETZT (19.Mai 2012)

Eine für Wien neue Senta, die den Tücken der Richard- Wagner-Partitur voll gewachsen ist, lernte man am 19.Mai 2012 in der Wiener Staatsoper kennen. Der US-Amerikanerin Jeniffer Wilson eilt der Ruf voraus, eine neue exzellente Hochdramatische zu sein. Und zumindest vokal hat sie die Erwartungen voll bestätigt. Eine  wirklich große Stimme, die auch über das nötige Piano verfügt, dazu kommt eine etwas zu eindimensionale strahlende  Höhe und jener lange Atem, den Richard Wagner bei seinem ersten Werk, das zu Bayreuther  Dauer-Ehren gelangte, etwa im großen Duett zwischen Holländer und Senta verlangt. Leider bietet die neue Sopranistin, die von Brünnhilde bis Isolde und von Turandot bis Aida alles singt, wofür eine entsprechende  Stimme nötig ist, rein optisch eine allzu barocke Figur. Christine Mielitz und ihr Ausstatter Stefan Mayer lassen Senta zudem in einem hellgrau-grünen Dirndl-artigen Kleid auftreten, samt Rüschen unterhalb der Taille (!). Ungünstiger kann man dramatische Soprane, die ja oft zur optischen Nähe von Jessey Norman tendieren, gar nicht anziehen. Und nicht einmal Nina Stemme hatte für diese Kleidung bei der Premiere die richtige Model-Figur.  Apropos Inszenierung von Christine Mielitz – sie ist  jetzt auch schon 9 Jahre „alt“ (man gibt die 46.Reprise) – und das Unbehagen – vor allem mit dem Finale –  bleibt. Die Selbstverbrennung von Senta ist unlogisch und wirkt wie eine Opernparodie. Am besten kommen noch die Chorszenen zu Beginn und der große Doppelchor zur Geltung. Geisterbahn-Effekte, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

Doch halten wir uns an den positiven Teil der Vorstellung:  Der britische Dirigent Graeme Jenkins leitet eine packende Vorstellung des „Fliegenden Holländer“ – vor allem die Chorszenen und das große Duett gehen „unter die Haut“. Deshalb soll dem Staatsopern-Chor  (Leitung Thomas Lang diesmal besonders gedankt werden! Ein großartiges Rollendebüt als Erik gab Herbert Lippert. Am Programmzettel war noch der ursprünglich vorgesehene Endrik Wottrich vermerkt, doch der österreichische Tenor war so souverän, so „richtig“ besetzt, als hätte er schon immer das Zwischenfach gesungen. Dieser Erik kämpft ohne stimmliche Schwierigkeiten, sehr wortdeutlich und ohne jede Larmoyanz vergeblich um Senta. Herbert Lippert, gehen sie diesen Weg weiter! In meiner Stehplatz-Jugend hieß es dort – wer den Erik schafft, kann alle Wagner-Tenorrollen bewältigen (Beispiel Windgassen)…Als „Fliegender Holländer“ bewies Albert Dohmen einmal mehr, dass  er derzeit offenbar ohne Konkurrenz ist. Und ein vokales Stehvermögen kann man ihm weder als Wotan noch als Holländer absprechen. Mir persönlich ist weder der Vortrag noch die Nuancierung differenziert  genug. Immerhin –  er hält  bis zum Finale  durch und man muss nie zittern!

Erfreulich die Wiederbegegnung mit Ain Anger als Daland. Der estnische Bass ist flügge geworden und man ist froh, ihn  selten, aber doch hören zu können. Die Stimme scheint noch größer, der Ton runder und der Vortrag wie immer nuancenreich zu sein. Bleiben noch der Wiener Neustädter Norbert Ernst als hinreißender Belcanto-Steuermann und die Slowenin Monika Bohinec als pastose Mary zu erwähnen. Zumindest musikalisch kamen am 19.Mai 2012 nicht nur die Wagnerianer voll auf ihre Rechnung.

Peter Dusek

 

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