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WIEN/ Staatsoper: DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN

06.04.2016 | Oper

Wiener Staatsoper:  „DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN“ am 5.4.2016


Roman Trekel (Förster). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Vor zwei Jahren wurde Otto Schenk noch einmal als Opernregisseur aktiv und nahm sich der Janacek-Oper an. Entgegen der vorherrschenden Mode setzte er die Vorgaben des Librettos mehr oder weniger wörtlich um, ohne dem Publikum seine Deutung des Stoffes aufzudrängen. Das ist eben der Vorteil, den man genießt, wenn man nicht mehr darauf achten muss, seine Karriere nicht zu gefährden. Für seine Inszenierung stellt ihm Amra Buchbinder ein Bühnenbild zur Verfügung, bei dem ein Wald ein Wald ist und keine Müllkippe oder psychiatrische Anstalt. Der einzige Nachteil des Bildes dürfte sein, dass es akustisch nicht sonderlich günstig ist und einiges an Klang schlucken dürfte. Darunter leidet am meisten die Darstellerin der Titelpartie Chen Reiss, die von Natur nicht gerade mit einer sehr tragfähigen Stimme ausgestattet ist und oft Mühe hat, nicht in den verschlungenen Pfaden des Orchesters unterzugehen. Ihr füchsischer Liebhaber Hyuna Ko ist ihr da deutlich überlegen. Als neuer Förster stellt sich Roman Trekel an der Staatsoper vor. An Stimmschönheit kann er mit seinem Rollenvorgänger nicht mithalten, gestaltet aber die Partie sehr glaubwürdig. Auch der Harasta ist mit Paolo Rumetz neu besetzt. Er trifft den volksliedhaften Ton des Wilderers sehr gut. Der Pfarrer (und Dachs) von Marcus Pelz hat nur im zweiten Akt mit einigen wenigen wirklich tiefen Tönen der Partie Probleme, während Joseph Dennis als Schulmeister kaum hörbar ist. Eine köstliche Studie bleibt der eitle Hahn von Heinz Zednik mit seinen aufgeregten Hennen. Wolfram Igor Derntl und Jozefina Monarcha führen ihr kleines Gasthaus untadelig und Ilseyar Khayrullova als flohgeplagter Haushund ist ebenso überzeugend wie die resolute Försterfrau von Donna Ellen (die auch als Eule die Hochzeit der Füchse aufgeregt flatternd begleitet). Für eine so kurze Oper ist das Personenverzeichnis von beachtlicher Länge, wobei einige Kinder der Opernschule zum Einsatz kommen. Die letzten Worte der Oper hat da Hana Hrdlicka als frecher Frosch zu singen. Sie kann bereits auf Erfahrungen beim Merker-Kunstsalon zurückblicken.

In Analogie zur Handlung der Oper kann auch die Entwicklung im Orchestergraben gesehen werden. Die Janacek-Serie war ja eine Initiative des GMD. Doch sein Abgang nach der Premierenserie war nicht das Ende, sondern der junge Tscheche Tomáš Netopil erweist sich als hervorragender Fürsprecher des mährischen Komponisten. Er zaubert mit dem Orchester die farbenreichsten, differenzierten Klänge, die Janacek der Natur und der Sprache abgelauscht hat. So liegt in jedem Ende ein neuer Anfang und die Janacekpflege ist in Wien auch weiterhin gesichert. (Schließlich geht es ja auch gleich mit der Jenufa weiter.)

Wolfgang Habermann

 

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