Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN

13.11.2014 | Oper
...es kreucht und fleucht im Böhmerwald....Foto: Michael Pöhn

…es kreucht und fleucht im Böhmerwald….Foto: Michael Pöhn

… und es kreucht und fleucht im Böhmerwald…

Das schlaue Füchslein, Wiener Staatsoper, 12.11.2014

 Ich habe eine Nacht drüber geschlafen und lange mit mir gekämpft, ob ich die Eindrücke des gestrigen Abends zu Papier bringen soll, da mich diese Vorstellung einigermaßen ratlos zurückließ.

 Den zum Großteil sehr positiven Besprechungen der Regiearbeit von Otto Schenk kann ich bei bestem Willen nicht beipflichten, da der Altmeister, dessen Inszenierungen ich eigentlich sehr gerne mag, dieses Mal – meiner Meinung nach – absolut am Libretto vorbei inszeniert hat. Natürlich ist die Ausstattung von Amra Buchbinder sehr schön – der Wald ist ein Wald, auch die Lichteffekte (Emmerich Steinberger) sind gut getroffen. Was allerdings total ignoriert wurde, war das Parabelhafte des Textes. Es genügt meiner Meinung nach nicht, eine Art Märchen auf die Bühne zu bringen, das den ewigen Kreislauf der Natur darstellen soll (wie es auch später Felix Salten mit „Bambi“ oder vor einiger Zeit der „Lion King“ zum Inhalt haben). Es ist ein Werk, das keine wirklich „sympathischen“ Figuren aufzuweisen hat – auch das Füchslein Schlaukopf bringt den Dachs dazu, seinen Bau zu verlassen. Die zweite, die menschliche, Ebene wurde überhaupt nicht in Szene gesetzt – und wenn man an die letzten Worte des Jägers denkt, wo er sinniert, dass er das nächste Fuchskind, das er aufnehmen wird, noch strenger „halten“ wird, da kann einem schon die Gänsehaut aufsteigen. Das alles im Wald mit dem lieben Getier – das war meiner Meinung nach zu wenig!

 Es ist zwar schön für die Studierenden der Ballettakademie, wenn sie Bühnenerfahrung bekommen, doch es war für meinen Geschmack zu viel Gewusel auf der Bühne, das unnötigerweise von der Musik ablenkte. Es wurde nämlich vom Orchester der Wiener Staatsoper unter Tomás Netopil hervorragend musiziert – der Abgang von Welser-Möst hinterließ überhaupt keine Lücke! Die Höhepunkte des Abends waren die Zwischenspiele, die mich ein wenig an den Aufbau von „Peter Grimes“ erinnerten. Da war der Vorhang runter gelassen und man konnte sich wirklich auf die Musik konzentrieren, ohne vom Gehopse auf der Bühne abgelenkt zu werden.

Wofgang Bankl als

Wofgang Bankl (Foto: Michael Pöhn)

 Die Sängerleistungen waren durchschnittlich (man muss allerdings auch zugestehen, dass diese Oper den Protagonisten nicht viel Platz gibt, besonders im Gedächtnis zu bleiben) – mit der Ausnahme eines sehr schönstimmigen Gerald Finley als Jäger und besonders von Wolfgang Bankl. Der Letztgenannte war auch der einzige, der von der Sprachmelodie ein schönes „tschechisch“ von sich gab, außerdem gelang es ihm, der Figur des Harasta während seines Auftrittes nicht schablonenhaft darzustellen.

 An diesem Abend war mit Heinz Zednik ein Hahn aufgeboten, der schon viel bessere Zeiten gesehen hat – die Staatsoper hat sicherlich agilere Junghähne im Stall, die der Hühnerschar vorstehen könnten. James Kryshak (Schulmeister/Mücke), Janusz Monarcha (Pfarrer/Dachs) und Wolfram Igor Derntl (Pasek) hinterließen einen soliden, aber keinen bleibenden Eindruck. Das gilt auch für Donna Ellen (Frau des Försters/Eule) und Sabine Kogler (Frau Pasek).

 Die beiden an diesem Abend eingesetzten Mezzosoprane schlugen sich unterschiedlich. Ilseyar Khayrullova erfreute durch ihr wirklich schönes, slawisches Timbre in der Rolle des Hund/Specht, während Hyuna Ko (Fuchs) einen (hoffentlich) schlechten Tag hatte. Sie wirkte besonders bei den höher gelegenen Stellen überfordert.

 Chen Reiss in der Titelpartie spielte sehr engagiert und bewegte sich sehr gut, wirkte aber ein bisschen leise (obwohl Netopil viel Rücksicht auf die Sänger genommen hat). Die Leistung war ordentlich – aber auch nicht mehr.

Trotz allen Einwänden war das Publikum von der Vorstellung sehr angetan. Der Applaus war freundlich, aber sehr kurz. Wer etwas über den Kreislauf des Lebens erfahren möchte, sollte sich eine „Universum“-Folge im Fernsehen anschauen. Wer die Musik genießen möchte, dem sei ein Stehplatz Galerie Ganzseite empfohlen.

 Kurt Vlach

 

 

 

 

 

 

Diese Seite drucken