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WIEN/ Staatsoper: DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN

01.07.2014 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper: DAS SCHLAUE  FÜCHSLEIN (30.Juni 2014)

Impressionistischer Saisonausklang mit Leos Janacek  in der  Wiener Staatsoper – sogar der Stehplatz auf der Galerie ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Zustimmung des Publikums ist bei der 5. Reprise deutlich größer als bei der Premiere – und das Niveau der Vorstellung ist tatsächlich  angestiegen. Die melancholische Parabel über Liebe und Sterben, über den ewigen Zyklus der Natur von Winter über Frühling und Sommer zum Herbst  hat nun auch vom Orchester  der Wiener Staatsoper her jene Dichte und  „sperrige“ Konsistenz, die bei der Staatsopern-Erstaufführung  des „Schlauen Füchslein“ Mitte Juni noch gefehlt hat.

Und Franz Welser-Möst durfte sich  zuletzt über ehrliche Zustimmung  des Publikums freuen, der Operndirektor über das Schild „ausverkauft“ und diejenigen Kritiker, die über die Rückkehr von Otto Schenk (Ausstattung Amra Buchbinder) mitunter die Nase gerümpft hatten, müssen zur Kenntnis nehmen – diesmal waren auch junge Leute zu Hauf zu beobachten. Das dreiaktige Werk, das kürzer als die Salome dauert, wird also in Wien derzeit gestürmt wie sonst nicht einmal die Jenufa oder die Katja. Hoffentlich hält der „Hype“ um das „Schlaue Füchslein“ noch länger an. Der Komponist, der ja auch das Libretto verfasste, hätte sich über den Erfolg dieses Stückes, das 1924 uraufgeführt wurde, sehr gefreut. Hielt er  das „Schlaue Füchslein“ doch für sein bestes Werk. Die Wiener Produktion mit ihrem naturalistischen „Waldweben“ hat jedenfalls ihre Meriten. Gerard Finley ist ein Belcanto-Förster. Tschechische Spezial-Klänge findet man  bei ihm ebenso wenig wie beim Rest der Besetzung, die einen Großteil des Wiener Ensembles präsentiert. Donna Ellen ist eine resolute Frau des Försters, die auch als Eule auftritt. James Kryshak ist ein blasser und akustisch viel zu junger Schulmeister. Unverkennbar poltert Wolfgang Bankl als „Bösewicht vom Dienst“– als Wilderer Harasta durch das Stück.  Ein General-Lob  dem Chor der Wiener Staatsoper (Leitung Martin Schebesta) sowie den  vielen Kinder der  Opernschule – wobei man  Pia Oetheimer als Frosch besonders erwähnen muss. Köstlich die Szene mit den Hühnern, die von Heinz Zednik und Lydia Rathkolb angeführt werden.  In der Titelrolle brilliert Chen Reiss  und Hyuna Ko punktet als -ihr „männliches“ Pendant.

Das „Schlaue Füchslein“ strotzt jedenfalls  voller Lebensweisheiten. Man darf sich für Janacek freuen…

Peter Dusek

 

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