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WIEN/ Staatsoper: DAS RHEINGOLD – Stimmungsbericht – in der Oper und bei der Zuschauerin

01.05.2017 | Oper

WIENER STAATSOPER: DAS RHEINGOLD

Vorstellung am 30.April 2017

 Stimmungsbericht – in der Oper und bei der Zuschauerin

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Egils Silins. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Es herrschte ein Gedränge wie schon lange nicht. Beim Eingang, ein einsamer junger Mann sucht noch eine Karte , vor der Billeteurin  Frau Pichler, die wie immer die Besetzungszetteln verkauft, diesmal gab es genug, und auf den Toiletten. So ein langer Vorabend ohne Pause muß erst durchgestanden besser gesagt gesessen werde, vor allem bei der gemächlichen Gangart vom Maestro Peter Schneider. Der Saal war ausverkauft, der Stehplatz SOLD OUT.

 Einige Plätze bleiben leer, war es das verlängerte Wochenende oder doch die Enttäuschung, den schon so lang als Wotan erhofften Bryn Terfel doch nicht erleben zu können. Viele Abonnenten waren wütend, dass der Direktor mit dem Engagement so lange gewartet hat, bis es vielleicht, wir wollen nicht hoffen, zu spät ist. Egils Silins gab zwar sein Hausdebüt, hatte aber nicht seinen besten Tag und ist dem vielreisenden Wagner- Publikum bei weitem kein Unbekannter.

 Gattin Fricka –  Mihoko Fujimura war schon bei der Premiere dabei, lieferte eine solide Darbietung, die feinen Nuancen, die inzwischen bei der Darstellung der Fricka  geboten werden, konnte sie nicht bieten. Auch der Alberich Jochen Schmeckenbecher  ist den Wienern bekannt, hatte er in der Rheinszene noch einige Probleme, so war konnte er als gedemütigter Nibelung vor allem darstellerisch punkten. Außerdem dürfte der Auftritt der Kröte etwas geändert und daher weniger „lustig“ geworden sein.

 Unter den Göttern gab auch Froh- Thomas Ebenstein sein Hausdebüt mit Luft nach oben, Freia , diesmal stimmkräftig Caroline Wenborn und Markus Eiche als  ausgezeichneter Donner kennen die Inszenierung auch schon lange.

  Nobert Ernst als Loge turnte sich routiniert  über die schlichten Bühnenbauten , das funkelnde tenorale Feuer fehlte diesmal aber  in der Stimme .

 Gespannt wartete  man auf den Mime von Wolfgang Ablinger-Sperrhacke und die Erda der letztens in München so erfolgreichen Okka von der Damerau. Beide waren sehr überzeugend  in ihren für Wien neuen Rollen und trösteten ein wenig über das Fehlen des Star aus  Wales hinweg.

 Die Rheintöchter Ileana Tonca, Stephanie Houtzel und Zoryana Kushpler  boten die erwartete solide Leistung. Solides Repertoire  war alles in Allem der gesamte Abend.

 Die Zustimmung war beachtlich,  den größten Applaus erhielt das Orchester der Wiener Staatsoper, aber hier sind vor allem die Touristen natürlich schon über die Ehre erfreut, diese Musiker in diesem Haus erleben zu können.

 Die Inszenierung war so uninspiriert wie die vorigen 15 Male, nicht alles wird mit dem Alter besser. Denen, die vor kurzem den letzten Götz-Friedrich Ring in Berlin gesehen hatten, trieb es die Tränen in die Augen. Das Meisterwerk, das beim Ansehen immer neue Aspekte bietet, wird  bereits verschrottet. Und Wien bleibt die Fadesse noch für viele Jahre.

Ulrike Messer-Krol

 

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