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WIEN/ Staatsoper: DAS RHEINGOLD – 2. Durchlauf des „Rattle-Ringes“

31.05.2015 | Oper

Wien/Staatsoper: „Das Rheingold“ – 30.5.2015 (Helmut Christian Mayer)

 Aus dem Nichts heraus ertönt er, der berühmte Urton, dieser einzigartige Es-Dur Urzustand, der großartige Beginn der Tetralogie, bevor dann der Rhein mehr und mehr zu fließen beginnt. Aber nicht nur der Beginn von Richard Wagners „Rheingold“ ist verheißungsvoll: Denn ungemein kammermusikalisch transparent, mit subtilen Piani, differenziert aber auch gewaltigen, spannungsvollen Steigerungen und Eruptionen wie auch reich an Klangfarben sowie immer sängerfreundlich kann man den Vorabend im Orchester der Wiener Staatsoper unter Simon Rattle beim zweiten Durchlauf des „Rings des Nibelungen“ an der Staatsoper erleben. Nur manchmal kann der charismatische Brite und Noch-Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, der Wagners Opus summum bereits von 2007 bis 2010 bei den Salzburger Osterfestspielen dirigiert hat,  die Spannung trotz seines suggestiven Dirigats nicht durchhalten.

Von den Sängern besticht in erster Linie eine, die zwar nur in einem Kurzauftritt zu erleben ist: Janina Baechle singt die Erda mit toller Präsenz und ungemein prächtiger, runder Stimme. An Tomas Konieczny Wotan scheiden sich die Geister. Er verfügt zwar über eine enorme „göttliche“ Präsenz und über ein angenehmeres Material in der der Tiefe, die Höhe wirkt jedoch knorrig und gequetscht. Auch färbt er die Vokale immer wieder stark dunkel ein.

Mit langen, feuerroten Haaren flitzt er flink von Stein zu Stein oder lungert zu Füßen der Götter herum, immer listig, manchmal schmierig, manchmal unterwürfig, manchmal zeigt er dem obersten Gott nicht nur mit Worten sondern sogar Gesten auch ganz klar, was zu tun wäre: Herbert Lippert hat zwar nicht ganz die Behändigkeit eines Adrian Eröd, auf die diese Partie bei der Premiere zugeschnitten war, bewältigt die Rolle aber mit Geschmeidigkeit und Spielfreude aber auch grenzwertig hohen Tönen. Richard Paul Fink ist ein geiler, machtgieriger und durch und durch böser, nicht allzu stimmgewaltiger Alberich.

Durchwachsen ist auch das übrige Ensemble: Michaela Schuster ist eine feine Fricka, schönstimmig erlebt man Boaz Daniel als Donner, blass ist der Froh des Jason Bridges, Olga Bezsmertna ist eine wunderbare Freis. Die Riesen Peter Rose und Mikhail Petrenko sind fast zu schönstimmig, Herwig Pecoraro gibt einen gequälten, idealen Mime. Es überzeugen die makellos singenden Rheintöchter mit Ileana Tonca, Ulrike Hetzel und Juliette Mars. Großer Jubel!

 Helmut Christian Mayer

 

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