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Wien/ Staatsoper: CAVALLERIA RUSTICANA / PAGLIACCI

05.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper: CAVALLERIA RUSTICANA / PAGLIACCI am 4.5.2012

Ein Opernabend zum entspannten Genießen: Die Basis für den ungestörten  Operngenuss liefern die zeitlos schönen, funktionellen und stimmigen Inszenierungen von Jean Pierre Ponelle und das hervorragend klingende  Staatsopernorchester unter der umsichtigen Leitung von Asher Fisch. Der Chor  setzte – eigentlich wie immer – Glanzlichter und wurde zu recht heftig  akklamiert.

CAVALLERIA RUSTICANA läßt sich problemlos aus der Gegend  zwischen Würzburg (Meier) und Düsseldorf (Seiffert) besetzen und fasziniert  auch, wenn man „Italianita“ durch „Germanita“ ersetzt.

Waltraud Meier  zeigt eindrucksvoll, dass sie nicht auf die Bezeichnung „Wagner-Sängerin“  reduziert werden darf. Sie ist als gepeinigte, gedemütigte aber trotzdem  liebende Santuzza nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch ein  Erlebnis. Berührend sind besonders die stummen Szenen, die sie ausdrucksvoll  gestaltet – da waren in der Vergangenheit schon einige Peinlichkeiten zu erleben. Peter Seiffert, stimmlich voll auf der Höhe, wurde im Laufe der  Handlung immer authentischer und eindringlicher – ab dem „feurigen Roten“ kamen wir in den Genuss einer großen Darbietung mit „Gänsehautpotential“. Man kann  auch mit Wurzeln nördlich des „Weisswurstäquators“ dramatisches, temperamentvolles Operntheater zeigen.

Lucio Gallo ist ein bewährter,  schönstimmiger Bariton, der dem Alfio alles gibt, was er braucht – besonders das  protzerische Gehabe wird unsympathisch zelebriert. Monika Bohinec ist auf  dem Weg zu einer guten Lola, wird aber von den anderen, überragenden  Singschauspielern noch etwas zur Seite gedrückt. Aura Twarowska ist – wie  eigentlich bei allen Müttern, Gouvernanten, Ammen… – eine stimmlich und  darstellerisch hervorragende Besetzung. Interessant ist, warum eine junge  Sängerin so auf das „alte Fach“ spezialisiert ist: Der Not gehorchend oder dem eigenen Triebe?

PAGLIACCI hatte es nach der Pause nicht leicht, die Spannung aufrechtzuerhalten.  Ein guter Beginn war der Prolog des Tonio, der von Lucio Gallo ausdrucksstark und ohne Ermüdungserscheinungen mit fast allen hohen Tönen gesungen wurde. Auch in der Folge war der zurückgewiesene, beleidigte Tölpel bei ihm in guten Händen.

Zum Glück hat der ursprünglich besetzte Ian Storey rechtzeitig erkannt, dass er nicht nur für den Bacchus  (September 2011) sondern auch für den Canio nicht das erforderliche Potential  hat. Wir kamen deshalb in den Genuss, erstmals den argentinischen Tenor Gustavo  Porta zu erleben. Mit geringen Einschränkungen halten wir ihn für eine  Idealbesetzung des Canio: Strahlende Höhen, klingende Mittellage, Schmelz und  Italianita – alles vorhanden. Er sollte eigentlich der ideale Canio für die Opernfreunde sein, die José Cura so leidenschaftlich ablehnen.

Tamar Iveri sang eine gute Nedda, für eine sehr gute fehlt die Exaktheit (knapp daneben ist auch vorbei!). Die guten Leistungen von Carlos Osuna(Beppo)  und Tae-Joong Yang (Silvio) trugen dazu bei, dass auch der zweite Teil des  Abends ungetrübte Freude machte.

Ein Abend der schönen Bilder und Klänge  – intellektuell wurden wir mangels genialer Uminterpretation durch moderne Regie und Ausstattung unterfordert – damit können wir aber gut leben!

Maria und Johann Jahnas 

 

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