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WIEN/ Staatsoper: ARIADNE AUF NAXOS . ein großer Abend des Orchesters

13.10.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

12.10. 2014 Wiener Staatsoper – ARIADNE AUF NAXOS – Ein großer Abend des Orchesters 

(Heinrich Schramm-Schiessl)

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Christian Thielemann. Foto: Agentur/Dresden

 Endlich wieder Christian Thielemann an der Wr. Staatsoper. Es ist mit Sicherheit der größte Vorwurf, den ich unserem Direktor mache, dass dieser wohl wichtigste und beste Dirigent unserer Zeit – zumindest im deutschen Fach – so selten  am Haus dirigiert. Ich weiß, seine Dresdner Brötchengeber sehen es nicht gern, wenn er für einige Zeit abwesend ist, um woanders mit einem anderen Orchester zu arbeiten. Aber es müsste doch verhandelbar sein, dass er zumindest für 6-10 Abende pro Saison nach Wien kommt, zumal er ja insofern einfach ist, als er nicht eine Neuproduktion verlangt, sondern durchaus bereit ist, mit entsprechender Probenzeit auch Repertoirvorstellungen zu dirigieren, wie eben diesmal die „Ariadne“.  Dass ein Großteil des Publikums diese Meinung teilt, war bereits am Jubel zu erkennen, als er zu Beginn den Orchestergraben betrat.

 Und die Erwartungen des Publikums wurden nicht enttäuscht. Es wurde ein großer Abend, vor allem vom Orchester her. Man muß ziemlich lange in den Annalen des Hauses zurückblättern, dass man dieses Werk von Orchester her so gehört hat. Bei Thielemann hat man das Gefühl, als wäre die Realisierung einer so komplizierten Partitur die einfachste Sache der Welt, alles passiert wie selbstverständlich. Bereits im Vorspiel bleibt er in den Parlandostellen dezent, ohne jedoch die Kommentierfunktion des Orchesters zu vergessen. Völlig bruchlos kommen dann aber trotzdem die Stellen, wo Strauss Orchesterklang vorgeschrieben hat. In der Oper spannt er dann einen weiten Bogen von den ersten zarten Klängen des Nymphenterzetts über die beiden großen Monologe der Ariadne bis zum extatischen Duett mit Bacchus und dem leise verklingenden Schluss. Dazwischen glücken, wieder ohne Bruch, die burlesken Szenen der Komödianten ungemein lebendig. Ebenso ausgezeichnet der Aufbau sowohl der Ariadne-Monologe wie auch der Zerbinetta-Arie und des Duettes. Dabei bleibt der Klang den ganzen Abend über transparent und man hört Details der einzelnen Instrumente, ohne dass es auf Kosten des Gesamten geht.Ein Sonderlob gebührt diesbezüglich auch den Philharmonikern, die Thielemann jeden Wunsch von den Augen ablesen und seine Vorstellungen zur Gänze realisieren. Sie spielten wieder einmal, wie ich es gerne formuliere, „auf der Sesselkante“.

 Zudem zeigte sich wieder einmal, dass man, wenn das, was aus dem Orchestergraben kommt, zu 100% stimmt, auch über gewisse Beeinträchtigungen – obwohl es diesmal nicht sehr viele davon gab – bei den Sängern hinwegsieht. Die beste Leistung des Abends bot ohne Zweifel Johan Botha als Bacchus. Es ist eigentlich überraschend, dass diese Stimme trotz der nun schon doch sehr langen Dauer der Karriere nichts an ihrer Durchhaltekraft und ihrer Fähigkeit, selbst schwierigste Passagen problemlos zu bewältigen, eingebüßt hat. Er singt diese Partie, an der viele große Tenöre gescheitert sind, ohne Probleme und war diesmal auch gestalterisch besser als sonst. Ein großer Darsteller war er nie und wird es wohl auch nicht mehr werden. Positiv aufgefallen ist, dass man ihm das Originalkostüm erspart hat und eines fand, das besser zu seinem Habitus passt. Soile Isokoski war eine ausgezeichnete Ariadne, die ihre schöne Stimme wunderbar fließen ließ. Lediglich beim „Totenreich“ fehlt ihr total die Tiefe. Darstellerisch war sie, soweit es diese nicht wirklich geglückte Inszenierung gestattete, zufriedenstellend. Daniela Fally hatte als Zerbinetta das Problem, dass sie eigentlich eine Koloratursoubrette ist. Die Koloraturen, speziell in der Arie, kommen dann auch gut rüber, aber es fehlt ihr der lyrische Unterbau. Anderseits muss ich ehrlich zugeben, dass mir nicht wirklich eine Alternative einfällt. Sophie Koch, als Komponist international gefragt, sang sehr engagiert und berührend. Allerdings wird die die Stimme ab einer bestimmten Lage steif und das trübt den Gesamteindruck. Im Vorspiel gefiel Jochen Schmeckenbecher als Musiklehrer und auch Norbert Ernst als Tanzmeister. In der Oper waren dann die vier Komödianten mit Adam Plachetka, Carlos Osuna, Jugmin Park und Benjamin Bruns sehr homogen besetzt und auch das Nymphenterzett mit Valentina Nafornita, Rachel Frenkel und Olga Beszmertna entledigte sich seiner Aufgabe zufriedenstellend. Den übrigen Mitwirkenden – Daniel Lökös (Offizier), Won Cheol Song (Perückenmacher) und Marcus Pelz (Lakai) – gebührt ein Pauschallob.

Zu guter Letzt sei noch Peter Matic erwähnt, der als Haushofmeister wieder ein Kabinettstück seiner Schauspielkunst auf die Bühne zauberte.

 Am Ende gab es schon unmittelbar nach Schließen des Vorhangs großen Jubel, der sich von Solovorhang zu Solovorhang steigerte und naturgemäß bei Christian Thielemann seinen Höhepunkt erreichte. Am Ende applaudierte auch das Orchester den Sängern und Thielemann – und diese gaben den Applaus an die Orchestermusiker zurück.

 Nach langer Zeit verließ man das Haus wieder zufrieden und ich möchte bei dieser Gelegenheit den Verantwortlichen sehr ans Herz legen, jetzt schon darüber nachzudenken, wie man Thielemann nach Auslaufen seines Dresdner Vertrages fester im Wiener Musikleben verankern kann.

 Heinrich Schramm-Schiessl

 

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