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WIEN/ Staatsoper: ARIADNE AUF NAXOS

21.06.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: 20.06.2014 – ARIADNE AUF NAXOS

Ariadne_auf_Naxos_Komponist Zerbinetta~1
Kate Lindsey und Daniela Fally. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

Die „Geburtstagsserie“ der Ariadne auf Naxos ging mit einer denkwürdigen Aufführung, bei der die männliche Hauptrolle kurzfristig neu besetzt werden musste, zu Ende und es stellte sich wieder einmal heraus, dass die dritte Vorstellung die beste ist.

Die Basis legte Franz Welser-Möst am Pult des Staatsopernorchesters in Salonorchestergröße. Die Lautstärke war daher gemäßigt und die großartigen Musiker konnten sowohl in den Soli als auch bei den orchestralen Leckerbissen ihre Virtuosität unter Beweis stellen und nicht zuletzt – deutlich sichtbar – zum eigenen Vergnügen musizieren. Das Ergebnis war Strauss-Klang auf höchstem Niveau.

 Wegen der krankheitsbedingten Absage von Klaus Florian Vogt, der den Bacchus in den bisherigen Vorstellungen wenig begeisternd gesungen hatte, fokussierte sich das Interesse auf den Einspringer – den für seinen Mut bekannten Herbert Lippert (siehe auch Grazer Lohengrin). Glücklicherweise war es nicht nötig, den üblichen Einspringer-Bonus anzuwenden – die Leistung war einwandfrei. Der junge Gott dürfte dem vielseitigen Esemblemitlied sehr gut in der Kehle liegen – schon bei den Circe – Rufen bekam man ein gutes Gefühl, das Duett mit Ariadne gelang schön und souverän und im Finale merkte man natürlich, wie schwer die Passage: „Und eher sterben die ewigen Sterne, eh’ du stürbest aus meinen Armen“ ist (außer für Johan Botha). Die „Maske“ möchten wir ersuchen, dem jugendlichen Liebhaber künftig eine etwas vollere Haarpracht zu verpassen – es würde den optischen Genuss steigern.

 Doch nun zurück zum „Vorspiel“: Der großartige Peter Matic erzeugt wie immer auf präpotente Art Gewissheit, dass der, der zahlt auch anschafft. Sein erstes Opfer ist diesmal der ältere, erfolglose Komponist, der sich seinen Lebensunterhalt als Musiklehrer verdienen muß – dargestellt von Jochen Schmeckenbecher mit großer, warm timbrierter Stimme und hoher schauspielerischer Kompetenz. Seine Sorge um den jungen Komponist der Oper Ariadne wirkt glaubhaft, gesanglich muss man sich um Kate Lindsey, der fulminanten Darstellerin dieser Rolle keine Sorgen machen. Sie steigerte sich seit der ersten Vorstellung kontinuierlich und lieferte diesmal eine Weltklasseleistung: Wohlklingende Tiefen, begeisternde Strauss-Bögen und brilliante Höhen ohne Schärfe krönen diesen Auftritt – wir möchten sie bald und oft wieder hören!

Die zweite Weltklasseleistung des Abends lieferte Daniela Fally als Zerbinetta. Sie gibt der Rolle immer mehr eine eigene Note und brilliert nicht nur in der Arie „Großmächtige Prinzessin“ mit atemberaubenden Koloraturen und Trillern sondern auch, dank größer und voller gewordener Stimme in den Gruppenszenen als übermütige Leitfigur der Komödiantentruppe. Wir erkennen schon den gleichen Effekt wie früher bei „der Gruberova“ – sie „holt sich“ die Vorstellung, man merkt sich, wie außergewöhnlich die Zerbinetta war und vergisst nach kurzer Zeit, wer die Ariadne gesungen hat.

 Die Ariadne dieser Vorstellung war Emily Magee – eine amerikanische Sängerin, mit prakisch nicht vorhandener Tiefe, deren Sopran aber nach den Qualen bis zum „Totenreich“ richtig aufblühte und mit edlem Vibrato herrlich strahlte. Souveräne, angenehme Höhen krönen diese gute Ariadne im Duett mit dem Bacchus.

 Die Nymphen Najade (Hila Fahima), Echo (Olga Bezsmertna) und Dryade (Juliette Mars) profitieren davon, dass sie schon öfter gemeinsam besetzt wurden – dies macht sich besonders im Terzett „Töne, töne, süße Stimme“ wohltuend bemerkbar.

Die Komödiantentruppe wird betreut von Thomas Ebenstein – einem köstlich schrägen Tanzmeister – temperamentvoll gespielt und mit klarem Tenor tadellos gesungen. Clemens Unterreiner legt seinen gepflegten Bariton mit voller Leidenschaft in sein Lied „Lieben, Hassen, Hoffen, Zagen“ und rührt damit alle – außer Adriane. Unterstützt von Carlos Osuna (Scaramuccio), Jogmin Park (Truffaldin) und Benjamin Bruns (Brighella) erlebten wir eine sportlich aktive, gut harmonierende lustige Gruppe – die beiden funktionslosen Tänzer gehen uns mit jeder Vorstellung mehr auf die Nerven.

 Im Großen und Ganzen hat die Inszenierung von Sven–Eric Bechtolf inzwischen ihre Praxistauglichkeit bewiesen und zählt zu seinen akzeptierteren Arbeiten. Wir hoffen, dass sich die „Dramaturgie“ für die kommende Serie  Gedanken macht, wie man verhindert, Johan Botha der Lächerlich oder der Peinlichkeit preiszugeben – es wäre schade um das Erlebnis, den aktuell besten Bacchus ungestört genießen zu können.

 Maria und Johann Jahnas

 

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