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WIEN / Staatsoper: ARABELLA

06.05.2012 | Oper

 

WIEN / Staatsoper:
ARABELLA  von Richard Strauss
28. Aufführung in dieser Inszenierung
6. Mai 2012

Angekündigt war diese „Arabella“-Serie mit Renée Fleming, aber gegen Absagen ist kein Haus gefeit, und mit der Amerikanerin Emily Magee, die übrigens im Sommer die Ariadne der Salzburger Festspiele sein wird, hat man einen vollwertigen Ersatz gefunden. Sie verfügt über eine schöne Strauss-Stimme, die (mit ganz geringen Abstrichen) in der Arabella-Höhe ebenso prunkt wie in der Kantilene, und sie hat sich mit sympathischer Attitüde in die Wiener Inszenierung eingefügt, die nach wie vor kein Preis, aber eben ganz brauchbar ist. Eine schöne Arabella, kein Zweifel.

An ihrer Seite Tomasz Konieczny als Mandryka. Er zählt zu jenen Sängern, die über eine unverwechselbare Stimme verfügen, was ja absolut kein Schaden ist – nur dass sie zur Schärfe neigt und ihr nasales Timbre nie verleugnen kann. Das passt zu vielen Charakterrollen, aber die Kantilene des Kavaliersbaritons, die hier gefragt ist, kann bei aller Bemühung nur partiell erfüllt werden. Dafür bringt Konieczny außer seiner Stimmkraft, die diese Rolle auch dringend nötig hat, vieles mit – die Erscheinung des schlanken, eleganten jungen Mannes, der dennoch die Schüchternheit des „Landeis“ andeutet, die Gefühlstiefe, die dann zu seinem gewaltigen Rasen im dritten Akt führt. Das alles ist mit Verstand schön und sensibel gespielt, und das Publikum hatte auch für ihn, wie für die Hauptdarstellerin, Jubel und Bravo-Rufe zu vergeben.

Interessant, wie zwei Sänger seit der Premiere vom Dezember 2006 (auch schon mehr als fünf Jahre her, immerhin) über ihre Rollen hinausgewachsen sind: Genia Kühmeier, einst die absolut ideale Zdenka (wenn auch mit einer badekappenartigen Mütze als „Zdenko“ irgendwie lächerlich entstellt), ist inzwischen zur Gräfin geworden und kann vermutlich bald selbst die Arabella anpeilen: Für die Kontrastfigur der Zdenka bietet sie zwar immer noch ihr Jungmädchen-Gehabe, aber nicht mehr die zarte, leichte Stimme. So wie sie für die Zdenka ist auch Michael Schade für den Matteo mittlerweile zu schwer (und gelegentlich zu scharf) geworden – jetzt sollte er doch endlich den leichten Wagner singen (er eilt hingegen auf den Florestan im Theater an der Wien zu – nun, man wird es hören).

Wolfgang Bankl ist ein Kraftlackl von Mann, und so gestaltet er auch den Waldner, Zoryana Kushpler, stimmlich nicht immer gleichmäßig, steht seit langem in der Rolle der „Mutter“, die in dieser Inszenierung eine hysterische Mondäne ist. Daniela Fally perlt die Fiakermilli (mit gelegentlicher Schrille), Norbert Ernst, Clemens Unterreiner (erstmals den Dominik singend) und Sorin Coliban blödeln die drei hoffnungslosen Dodeln, die hier als Arabellas Verehrer über die Bühne wanken müssen. Donna Ellen huscht als Kartenaufschlägerin herum.

Franz Welser-Möst hat gerade die „Arabella“ immer besonders schwelgerisch angepackt, wobei das sinnliche Strauss-Fest, das mitunter auch zu einem Lautstärke-Fest wurde, hier keinerlei Probleme bereitete, da alle Stimmen auf den Klangeswogen reiten konnten. Dass dergleichen wohl nicht so schnell jemand so spielt wie die Wiener Philharmoniker…

… ja, das findet Direktor Dominique Meyer auch, und darum huschten die Herren Musiker gleich nach Ende der Vorstellung davon, um ein paar Minuten später geschlossen auf der Bühne Aufstellung zu nehmen. Da begab sich dann, was der Programmzettel als „Anlässlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an das Orchester der Wiener Staatsoper / die Wiener Philharmoniker“ angekündigt hatte. Dass dies eine Idee von Meyer gewesen ist, verriet wiederum Ministerin Schmid, die sich für die Verleihung auch auf die Bühne begab.

Meyer fand wirklich schöne, berührende Worte für das Orchester („Das Herz der Staatsoper schlägt im Orchestergraben“), schwärmte für den „magischen Wiener Klang“, sprach von dem Glück, sie jeden Tag hören zu dürfen, und wenn auch alles in dem Haus wechsle – die Staatsoper und das Orchester seien ewig.

Kein Wunder, dass die Wiener Philharmoniker zurück gaben, wie glücklich sie mit dieser, „mit der jetzigen“ Direktion seien, und wenn man sich erinnert, mit wie viel Bosheit, List und Tücke Ioan Holender immer darauf bestanden hat, die Wiener Philharmoniker und das „Staatsopernorchester“ auseinander zu dividieren und jede nur mögliche Missstimmung zu schaffen, dann darf man nun wirklich froh sein, dass das behoben ist.

Vielleicht kann man jetzt wieder kurz und bündig sagen, dass die Wiener Philharmoniker in der Wiener Oper spielen, ohne den Umweg über das „Staatsopernorchester“ zu nehmen, und damit die Ranküne des vorigen Direktors endlich ausräumen.

Renate Wagner

 

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