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WIEN/ Staatsoper: ANDREA CHÉNIER – zweite Vorstellung, diesmal mit Sandoval

22.02.2015 | Oper

WIENER STAATSOPER: 21. 2. 2015: „ANDREA CHÉNIER“


Hector Sandoval
 
   
Die Revolution frisst ihre Kinder und so stand in der zweiten Aufführung der Serie mit Hector Sandoval ein neuer Chénier auf der Bühne. Es war sein zweiter Abend im Haus und sein zweites Rollendebut. Die Anfangsnervosität war nach einem sehr guten Improviso verflogen und er bot eine sehr gute Leistung. Er bemüht sich um die sensible Phrasierung und nimmt die Stimme gerne zurück, aber sie blüht auch in den vielen Höhen des zweiten Bildes wirklich auf. Leider war das Ende von Come un di di maggio nicht so recht gelungen, was aber die Leistung eines Einspringers nicht schmälern sollte. Sein gutes Aussehen passt zwar nicht zum historischen Vorbild, ist aber kein Fehler.

Martina Serafin war im ersten Bild sehr verhalten, steigerte sich aber bis zu ihrer großen Arie enorm und bot dann Verismo pur, auch wenn sie darauf viel Kraft verwenden musste. Der Carlo Gérard war mit Marco di Felice besetzt. Er besitzt einen robusten, geraden Bariton mit nicht gerade hohem Wiedererkennungswert, der seine Szenen wirkungsvoll präsentiert. Mit schöner Stimme auch die zweite Umbesetzung, Boaz Daniel als Rocher und äußerst präsent der Incroyable von Thomas Ebenstein. Die Madelon wird meist mit einer Sängerin mit einem gewissen Nostalgiewert besetzt. Das ist ein Effekt, der bei  Monika Bohinec nicht zutrifft, dafür singt sie ihre Szene ausgezeichnet, aber der Tränendrüseneffekt bleibt aus. Aura Twarowska klingt nach einer sehr alten Gräfin und Ilseyar Khayrullova ist eine brave Bersi. Paolo Rumetz übernimmt mit dem Mathieu wieder eine Šramekpartie, Ryan Speedo Green und Marcus Pelz könnten ihr Morte auch bedrohlicher bringen, Mihail Dogotari als Fléville bleibt blaß.

Marco Armiliato am Pult sorgt für orchestrale Spannung, aber die Balance zwischen Bühne und Orchester ist oft zugunsten des Orchesters verschoben. (Allerdings ist da von Giordano auch eine Menge an Sound komponiert, wenn man bedenkt, dass allein vier Schlagwerker zu Gange sind.)

Wolfgang Habermann

 

 

 

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