Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: ADRIANA LECOUVREUR. Premiere

16.02.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper: 16.02.2014   SO   „Adriana Lecouvreur“. Premiere 16.2.2014

Adriana_Lecouvreur_GHEORGHIU_GIORDANO_lyrisch rechts~1
Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

Die Wiener Staatsoper kam spät, aber doch auf die großartige Idee, Francescos Cileas Oper „Adriana Lecouvreur“ in den Spielplan aufzunehmen. Die Produktion wurde dann allerdings nicht ganz widerspruchsfrei vom Publikum aufgenommen. An der Musik konnte es nicht gelegen sein, das Orchester spielte unter der sehr guten Leitung von Evelino Pido konzentriert und mitreissend. Dass sich die Anzahl der Ohrwürmer in diesem Werk in Grenzen hält, wusste man. Ähnlichkeiten mit der „Boheme“ oder mit „Andre Chenier“ sind offenkundig, schmälern die Qualität der Oper aber kaum.

War es die Inszenierung? David Mc Vicar gehört zu den „Klassikern“ der Regie-Zunft, da gab es keine Experimente, sichere Personenführung und reibungsloser Ablauf der Handlung – die zugegebenermaßen etwas verwirrend ist – verrieten solide Handwerkskunst. Auch das Bühnen bild von Charles Edward und die Kostüme von Brigitte Reiffenstuel boten Erfreuliches fürs Auge. Ein paar Buhrufe, ohne die eine Premiere einfach nicht auskommen darf, waren der Lohn. Weit komplizierter lag die Sache bei den Sängern. In der Titelrolle Stand mit Angela Gheorghiu eine Primadonna der alten Schule auf der Bühne. Sie spielte die Schauspielerin mit großer Grandezza und sang, wie man es von ihr gewöhnt ist: Zart gehauchte Piani, kraftvolle Ausbrüche und sichere Höhen. Mit der Mittellage hatte sie vor allem anfangs etwas Mühe. Die ihr gewidmeten Buhrufe waren ziemlich unerwartet und unverdient, vielleicht hatte ihre in einem Zeitungsinterview geäußerte Ablehnung des Regietheaters dessen Anhänger auf den Plan gerufen? Massimo Giordano war als Maurizio stimmlich sehr präsent, seine kräftige Stimme mag nicht jedermanns Sache sein, aber wie sicher und sauber er die hohen Töne setzt und sich gegen die Klangwogen des Orchesters durchsetzt, machen ihm nicht viele nach. Auch ihn traf der Bannstrahl der Buhrufer.

Unbestritten war der große Erfolg der dritten Protagonistin, Elena Zhidkova als Principessa di Bouillon. Ob solcher Power konnte man nur überwältigt sein. Sie spielte eindrucksvoll die eifersüchtige Rivalin, hier konnte man fühlen, wie brutal die Liebe sein kann. Auch Roberto Frontali war als Michonnet ein Pluspunkt des Abends, mit seinem kräftigen Bariton gab er den verschmähten Liebenden, ein gelungener Kontrapunkt zur rasenden Gräfin. Alexandru Moisiuc als gehörnter Principe, Raul Gimenez as Abate und Juliette Mars als Dangeville waren gute Kräfte in der zweiten Reihe.

Es blieb ein zwiespältiger Eindruck, daran sieht man, dass einem ein eigentlich guter Opernabend durch ein paar Missfallsäußerungen vermiest werden kann.    

Johannes Marksteiner

 

Diese Seite drucken