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WIEN/ Staatsballett in der Volksoper: CENDRILLON – ein modern gestyltes Aschenbrödel

19.01.2018 | Ballett/Tanz

 

Bildergebnis für wie volksoper cendrillon
Mila Schmid. Copyright: Johannes Ifkovits/Volksoper

Ballettabend in der Volksoper 18.1.2018: „CENDRILLON“ – ein modern gestyltes Aschenbrödel 

So ein richtig echtes romantisches Aschenbrödel ist dieses ja wohl nicht. Heißt auch Cendrillon, kommt aus Frankreich, aus Biarritz, ist vom erfolgreichen Choreographen Thierry Malandain für dessen Malandain Ballet Biarritz kreiert worden. Vorige Saison wurde „Cendrillon“ vom Wiener Staatsballett für die Volksoper übernommen, und ein auf modern gestyltes Aschenbrödel ist nun an elf Abenden wieder mitzuerleben.

Zur Wiederaufnahme: Ein gut gemachtes Stück, doch auch nicht ein so wirklich beglückendes. Die episch erzählende Ballett-Musik von Sergej Prokofiew aus dem Jahr 1944 mit ihrer sich wiederholt ergießenden Amoroso-Glasur vermag dies sehr wohl (Dirigent: Guido Mancusi), doch der zumeist seinen extravaganten Ideen folgende und nach originellen wie skurrilen Elementen Ausschau haltende Malandain wandelt auf heutigen Wegen: Modernes Einheitsbühnenbild und sexy Dresses ohne bunter abwechslungsreicher Bilderfolge regen kaum kindliche Phantasien an; das pausenloses Spiel, nicht ganz zwei Stunden, ermüdet den Zuseher wie wohl auch die stets überaus geforderten Tänzer; die Charakterisierung  der Protagonisten wie der Elfen, der Feen wie alle Typisierungen im Jahreszeiten–Divertissement bleiben zu vage. Und bei den doch vielen Wiederholungen in der Musik erschöpft sich auch Malandains Einfallsreichtum.

Ausschließlich die in der Volksoper beheimateten Mitglieder des Wiener Staatsballetts stehen auf der Bühne, präsentieren sich auf elegante und technisch profilierte Weise: Mila Schmidt in der Titelrolle, Felipe Vieira als Prinz, Kristina Ermolenok strahlt als vermittelnde Fee. Und ja, die kahlköpfigen zwei Stiefschwestern en travesti (Samuel Colombet und Kesuke Nejicime) und die Stiefmutter (László Benedek) wirken in ihrer Hässlichkeit wie mit köstlich outrierender Pantomime dominant und können mit einigen Kunststückchen unterhalten. Somit: „Cendrillon“ sollte für Liebhaber zeitgenössischen Tanzes wohl sehenswert sein – ist aber nichts für auf Märchenglück hoffende Kinder.

 

Meinhard Rüdenauer   

 

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